Positives Signal im Flüchtlingsschutz setzen
Kirche und Diakonie fordern Fortsetzung des Resettlement-Programms
[18.06.2010] Für die unbedingte Fortsetzung des Resettlement-Programms, das Aufnahmeprogramm für Flüchtlinge der Vereinten Nationen, durch das jährlich eine bestimmte Anzahl an Flüchtlingen aus weltweiten Krisengebieten aufgenommen wird, haben sich die Vorstandsvorsitzende des Evangelischen Regionalverbandes Frankfurt, Esther Gebhardt, und der Vorstandsvorsitzende des Diakonischen Werks in Hessen und Nassau, Dr. Wolfgang Gern, am Freitag, 18. Juni, in Frankfurt ausgesprochen.
„Wir können und müssen damit ein europaweites positives Signal im Flüchtlingsschutz setzen, weil hierdurch Flüchtlingen zügig und nachhaltig ein Neuanfang und ein Leben in Sicherheit eröffnet wird“, sagte Gern. Mit Blick auf die Flüchtlingsfamilien, die in den Beratungseinrichtungen des Evangelischen Regionalverbandes in Frankfurt betreut werden, stellte Esther Gebhardt fest, dass die geltende Bleiberechtsregelung für Flüchtlinge keine Sicherheit und Zukunftsperspektive biete. Sie verwies als Beispiel auf das Schicksal einer bosnischen Familie, die bereits seit 20 Jahren in Frankfurt lebe und der nun die Abschiebung drohe, weil die Rente des Mannes nicht ausreiche, um den Unterhalt der Familie zu bestreiten. Gebhardt appellierte an die Politik, dass „Humanität nicht zu einem Luxusartikel werden darf“.
In Hessen wurden durch das Resettlement-Programm bislang 180 Flüchtlinge aufgenommen. 18 Flüchtlinge leben zurzeit in Einrichtungen der Diakonie: in der Flüchtlingshilfe Egelsbach und in der Flüchtlingsunterkunft Grävenwiesbach. „In der Begleitung und Beratung dieser Familien ist spürbar, wie entlastend die gesicherte Bleibeperspektive für sie ist und wie sehr dies den Integrationsprozess fördert“, sagte der Diakonie-Chef weiter.
Schutzbedürftigen Menschen Heimat und Lebensperspektive zu geben, sei ureigene Aufgabe und ethische Anwaltschaft von Diakonie und Kirche. Das Resettlement-Programm könne dazu wesentlich beitragen. Im Unterschied zu anderen Flüchtlingen, die bei der Einreise nach Deutschland ein langwieriges Asylbewerbungsverfahren mit unsicherem Ausgang durchlaufen müssen, wird Flüchtlingen aus der Resettlement-Aufnahme mit der Einreise nach Deutschland bereits eine Aufenthaltserlaubnis gegeben. Gern sagte weiter: „Die Bleibeperspektive und der schnelle Zugang zum Arbeitsmarkt sind gute Voraussetzungen für eine gelingende Integration in Deutschland.“ Im Blick auf die etwa 2500 irakischen Flüchtlinge, die bislang in Deutschland im Rahmen des Programms angekommen sind, sagte Gern: „Sie können langsam erfahren, was es heißt, ohne Angst zu leben und Verfolgung, Haft oder gar Folter überwunden zu haben.“
„Mit Menschenrechtsorganisationen, Wohlfahrtsverbänden und Kirchen treten wir auch in Zukunft für ein dauerhaftes Resettlement-Engagement Deutschlands ein“, schloss Gern.
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