Psychologin: Lang zurückliegender Missbrauch nicht immer aufarbeiten

Zentrum für Beratung und Therapie berät und hilft

[12.07.2010] Menschen, die vor langer Zeit Opfer sexuellen Missbrauchs
waren, müssen nach Ansicht der Frankfurter Psychologin Brigitte Meckler das Geschehene nicht unbedingt immer für sich aufarbeiten. „Es gibt Dinge im Leben, die man weiß und die man vielleicht stehen lassen kann“, sagte die Leiterin des Evangelischen Zentrums für Beratung und Therapie am Weißen Stein in Frankfurt am Main in einem epd-Gespräch.

Erst wenn die Erfahrungen das jetzige Leben einschränkten, etwa die Sexualität, sollte man unter professioneller Hilfe das Geschehene aufarbeiten. „Jeder muss für sich abwägen, ob er sich dem noch mal stellt, denn es sind oft schmerzhafte Prozesse.“

Das Zentrum dient als Anlaufstelle für Menschen, die nach sexuellem Missbrauch psychologische und seelische Unterstützung benötigen. In einem ersten Gespräch werde mit
dem Hilfesuchenden der weitere Weg besprochen. „Wir gehen die Fragen verantwortungsvoll durch: Was war, was ist heute, was ist der nächste Schritt und wo ist der richtige Platz, um das zu bearbeiten?“, erläuterte Meckler.

Im Zentrum melden sich nach Mecklers Auskunft Opfer von sexuellem Missbrauch, Täter und Familienangehörige, sowohl aus dem evangelischen, dem katholischen als auch aus dem nicht-kirchlichen Bereich. Durch die überwiegend „differenzierte und vorsichtige“ Medienberichterstattung seien Schwellen gesenkt worden. Für Opfer sei es jetzt leichter, Hilfe zu suchen. Zwar gebe es im Zentrum derzeit mehr Anfragen, „aber es ist keine große Zahl“, betonte Meckler. Fast alle Fälle lägen schon 20 oder 30 Jahre zurück. Zumeist handele es sich um Erwachsene, die ihre Erfahrungen bereits therapeutisch bearbeitet hätten. In einem Fall habe sich auch ein Beschuldigter gemeldet, der mit Vorwürfen konfrontiert wird, zu denen es „mehrere Versionen“ gebe. In einem weiteren Fall habe die Familie eines mutmaßlichen Täters Hilfe gesucht. „Die Familien sind
in einer ganz schwierigen Lage, weil in ihrem Leben alles ins Wanken gerät.“

Daher rate sie Angehörigen „ganz dringend zu Gesprächen“, damit sie in der schwierigen Situation Unterstützung bekommen.

Informationen: Evangelisches Zentrum für Beratung und Therapie am Weißen Stein, Telefon 069 5302-222,
E-Mail: beratungszentrum@erv-frankfurt.de.

Quelle: epd Hessen

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