„Seid jederzeit bereit, Antwort zu geben ...“

Missions-Ausstellung in der evangelischen Alten Nikolaikirche


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[19.07.2010] Vater, Mutter, viele Kinder, ein schwarzes Kindermädchen. Ein normales Familienphoto aus der Mission – so scheint es. Aber warum trägt es auf der Rückseite die Widmung "Für unsere lieben Kinder in Kleinwelka"? Man sieht es ihm zunächst nicht an, aber das Foto der Familie Marx erzählt eine traurige Geschichte.

Diese Geschichte und viele andere erzählt die Ausstellung „Seid jederzeit bereit, Antwort zu geben ... - Mission gestern und heute im Bild“ vom 11. bis 28. August in der evangelischen Alten Nikolaikirche am Römerberg.

Eröffnet wird die Ausstellung mit alten und modernen Fotos aus der Geschichte der Mission am Mittwoch, 11. August, um 19 Uhr. Julia Besten, Leiterin der Archiv- und Museumsstiftung der Vereinten Evangelischen Mission in Wuppertal, spricht über das Thema „Stumme Zeugen zum reden bringen – Was erzählen alte Missionsphotos?“. Dem Vortrag schließt sich eine Diskussion an. Es moderiert Dr. Kai Funkschmidt, Beauftragter für Ökumenisches Lernen und Weltanschauungsfragen im Zentrum Ökumene der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN).

Die Ausstellung ist täglich von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Die Ausstellung findet aus Anlass der 100-Jahrfeier der großen Weltmissionskonferenz von Edinburgh 1910 statt, mit der die Ökumenische Bewegung begann. Sie illustriert am Beispiel von vier Partnerkirchen der EKHN in Tansania, Südafrika, Indonesien und Indien die „Mission“ in Vergangenheit und Gegenwart in verschiedenen Facetten wie „Motivation zur Mission“, „Familienleben“, „Frauen“, „Kolonialismus“, „Heil und Heilung“, „Partnerschaft“, „Tod und Krankheit“, „Missionare als Wissenschaftler“ und „moderne Missionare aus südlichen Kirchen in Deutschland“.

Mission
Lange Zeit war „Mission“ ein negativ belegtes Wort. Erst seit einiger Zeit besinnen sich die Kirchen wieder darauf, dass es gar keine Kirche gäbe, wenn Menschen nicht vom ersten Jahrhundert an anderen Menschen von ihrem Glauben erzählt, also als Missionare gelebt hätten.
Mission ist manchmal befremdlich, manchmal anstößig - und sie ist unvermeidlich. Seit es Kirche gibt, lässt das Thema die Christen nicht los. Denn alle Kirchen der Welt außer der Jerusalemer Urgemeinde sind Missionsgemeinden. Wenn Menschen sich nicht mehr trauen, den Glauben weiterzuerzählen, stirbt er.

Hinter dem Foto der Familie Marx steht die Frage: Was geschah mit den Kindern von Überseemissionaren, wenn sie ins Schulalter kamen? Schulen, die für ein Leben in Europa vorbereiteten, gab es im Missionsgebiet in den ersten Jahrzehnten nicht. Viele Missionsgesellschaften richteten daher Internate für Missionarskinder ein. Das Foto stammt aus der Geschichte der Herrnhuter Mission in Südafrika. Es wurde für die vier älteren, bereits im Internat in Kleinwelka (Oberlausitz) lebenden Kinder der Familie des Missionars Benno Marx und seiner Frau Ottilie 1872 in Kapstadt gemacht und ihnen zugeschickt. Schwacher Trost für die jahrelang abwesenden Eltern.


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Dieses Foto zeigt eine "Kraalspredigt" in Südafrika um 1895. Der herrnhuterische Evangelist Theodor Malunga besucht eine Siedlung und spricht zu Christen und ungetauften Jünglingen. Letztere sind in Decken gehüllt und mit Ranken wilder Melonen um den Kopf geschmückt. Der Evangelist drückt seine soziale Stellung und neue Lebensorientierung auch durch seine westliche Kleidung aus.


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Dieses Bild zeigt das Hochzeitsfoto des Herrnhuter Südafrikamissionars Andreas Gustav Hettasch (1831-1918) und seiner Braut Agnes Pauline geb. Ballein (1838-1894).
Missionar zu sein, war ein ganzheitlicher, das ganze Leben bestimmender Beruf und bedeutete auch den Verzicht auf ein herkömmliches Familienleben. Unterordnung unter die missionarische Aufgabe und unter die Obrigkeit der Missionsgesellschaft bzw. Kirche waren selbstverständliche Voraussetzungen. Man unterwarf sich der Fremdbestimmung in einem Maße, wie es selbst damals ungewöhnlich war, als man das Ideal individualistischer Selbstverwirklichung kaum kannte. Dies reichte bis in Familie und Ehe hinein. Ein Lebensbereich, der für Missionare ohnehin besondere Härten mit sich brachte.

Schon die Ausreise bedeutete in einer Zeit, wo das Reisen teuer, beschwerlich und selten war, oft einen Abschied aus der Heimat für Jahrzehnte oder gar für immer. Man musste damit rechnen, die Eltern, Geschwister, Freunde nie wiederzusehen.

Junge Missionare durften in vielen Fällen zunächst nicht heiraten, weil sie die Anfangszeit zur Einarbeitung in die Situation, zum Aufbau eines Lebensunterhalts und Hauses sowie zum Sprachenlernen verwenden sollten. In einigen Gebieten sprach auch die hohe Sterblichkeit von fast der Hälfte der Neuankömmlinge durch Tropenkrankheiten im ersten Jahr gegen ausreisende Ehepaare. Erst, wer sich etabliert, bewährt und überlebt hatte, konnte bei der Missionsgesellschaft oder Heimatkirche Heiratserlaubnis beantragen. Diese suchte dann eine passende Braut und sandte sie nach. In der Regel lernten diese sogenannten „Missionsbräute“ ihren Partner erst kennen, als sie das Schiff in ihrer neuen fernen Heimat verließen.

Zitat: "Als er dann nach fünfjähriger Abwesenheit von der Heimat die Aufforderung erhielt, sich zu verheiraten, da war es ihm unmöglich, irgend eine Schwester zu nennen, die er sich als Lebensgefährtin gewünscht hätte. Er wandte sich darum mit der Bitte an seine Behörde, ihm eine passende Schwester nachzusenden, dabei hatte er den festen Glauben, dass ihm der Herr selbst die passende Gefährtin zuführen werde. Dies Vertrauen ist auch nicht beschämt worden. Die Braut, Schwester Agnes Pauline Ballein [...], die durch das Los ihm bestimmt wurde [d.h. die Wahl der Verantwortlichen wurde durch das Los bestätigt, sie wurde nicht ausgelost!], war gerade das, was unser Vater für sein eigenes Innenleben, wie für seinen Beruf brauchte." (Aus: Andreas Gustav Hettasch 1831-1918. Sein Leben und Wirken als Missionar in Südafrika 1859-1894. Zusammengestellt von Klaus Hettasch. Stuttgart 2006, S.16).

Fotos:
Archiv der Europäisch-Festländischen Brüderunität (Herrnhut)
Archiv der Herrnhuter Brüdergemeine, Herrnhut

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