Kirchen-Know-How für Geflüchtete

04.10.2016

Rund 70 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer haben sich in kürzester Zeit zusammengefunden, um Angebote zu entwickeln

Die Philippusgemeinde im Riederwald engagiert sich sehr für geflüchtete Menschen – zum Beispiel mit geselligen Treffen im Gemeindehaus. Foto: Oeser

Sprachkurse, Beratungs- und Freizeitangebote und eine Fahrradwerkstatt – in der Philippusgemeinde setzte das Engagement für Geflüchtete eine „unglaubliche Dynamik“ in Gang. Zur Freude von Pfarrer Fred Balke-Nagel hat sich in Windeseile ein Helferkreis von rund 70 Frauen und Männern formiert.

Dass sich alle auf Philippus berufen, obwohl 95 Prozent der Ehrenamtlichen zuvor nichts oder nur wenig mit der Gemeinde verband, verbucht der Theologe nicht zuletzt als Bestätigung in eigener Sache. „Die Leute stellen fest, die Kirche kann auch Bündnispartner sein.“ Zumal man beweise, dass sie „als Organisation vor Ort gut funktioniert“. In unmittelbarer Nachbarschaft zu zwölf Flüchtlingsunterkünften mit insgesamt rund 700 Menschen gelegen, koordiniert die Gemeinde die Hilfsaktivitäten, stellt Räumlichkeiten zur Verfügung und knüpft Kontakte. Um die Sprachkurse zu professionalisieren, holte Fred Balke-Nagel zum Beispiel „Teachers on the road“ ins Boot, die nun in Philippus täglich Deutsch unterrichten. Auch die Fahrradwerkstatt begnügt sich längst nicht mehr damit, gespendete Räder auf Vordermann zu bringen und zu verteilen. Die Helfer weisen Geflüchtete in die hiesigen Verkehrsregeln ein, stellen Pässe aus, die die Fahrer als rechtmäßige Besitzer legitimieren, bringen Unkundigen das Radfahren bei und binden handwerklich versierte Geflüchtete in die Werkstattarbeit ein. „Es läuft großartig und wir sind ständig am überlegen, was gibt es noch zu tun?“, so Fred Balke-Nagel, der in dieser Hinsicht den Austausch mit Kolleginnen und Kollegen in ähnlichen Situationen als hilfreich erlebt.

Für entsprechende Treffen sorgt Pfarrerin Anja Harzke, die sich seit Dezember 2015 um die „Koordination der Flüchtlingsarbeit in den Gemeinden“ kümmert. In Frankfurt sei weit mehr als die Hälfte engagiert. Was Balke-Nagel im Riederwald beobachtet, kann Anja Harzke für das ganze Stadtgebiet bescheinigen: „Dass die Flüchtlingsarbeit so gut funktioniert, hängt viel mit den Strukturen und dem Know-How der Kirche zusammen.“ Sie biete in diakonischer, rechtlicher und therapeutischer Sicht einen Fundus an Experten sowie „Menschen mit Herz“ an der Basis. Während manche Medien den Rückgang der Hilfsbereitschaft verkünden, nehme sie das Gegenteil wahr: „Das Engagement bricht nicht ab, sondern nimmt eher zu. Es ist ein toller Schatz, den wir als Kirche haben.“

Von Sandra Hoffmann-Grötsch

 

Mehr Infos:

Projektstelle Koordination Flüchtlingsarbeit der Gemeinden
Pfarrerin Anja Harzke, E-Mail: anja.harzke@ev-dekanat-ffm.de

 

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