Neue Angebote für alte Menschen

12.05.2017

In Frankfurt wird über die Zukunft der Seniorenarbeit diskutiert

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Seniorentreff? Ist das Kaffeetrinken und Volksliedersingen? Barbara Hedtmann von der Koordinationsstelle Erwachsenenbildung / Seniorenarbeit im Evangelischen Regionalverband informierte Anfang April über zeitgemäße ­Angebote in der Seniorenarbeit. Der „klassische Seniorentreff“ entstand in den 1960er und -70er Jahren als eine weitgehend selbst organisierte Einrichtung, für die die Gemeinde Räume zur Verfügung stellte, die sich jedoch über Mitgliedsbeiträge der Senioren finanzierte. Das schuf Verbindlichkeit: Man setzte sich zusammen und musste sich mit den anderen auseinandersetzen. Heute, so Barbara Hedtmann, gehe es in der Seniorenarbeit zuallererst darum, Verbindlichkeit herzustellen. Die „neuen Alten“ lassen sich nicht nach klassischen Vorbildern binden. Sie genießen ihre Freiheit im sogenannten 3. Lebensalter. Unzuverlässiger als frühere Generationen von Ruheständlern seien sie, weniger integrierbar in vorhandene Strukturen. Wie also kann die Kirche Senioren heute binden? Zunächst einmal gehe es darum, ein Gespür für die Bedürfnisse der Menschen zu entwickeln, dann lassen sich neue Angebotsformate entwickeln. Erfreulicherweise habe sich insgesamt der Blick auf die Bedürfnisse älterer und alter Menschen gewandelt und differenziert. Dennoch: In keiner Lebensphase ist die Suizidrate höher als in der Generation 60+. Einsamkeit, Krankheit und Depression sind ungebetene Gäste des Alters. Niemand aber ist nur hilfsbedürftig, krank oder verzweifelt; auch Menschen, die der Unterstützung bedürfen, haben Entfaltungsbedürfnisse und Lebensfreude. Neue Formate in der kirchlichen Seniorenarbeit müssen das ganze Bild in den Blick nehmen. Ein erster Türöffner, so Barbara Hedtmann, seien ihrer Erfahrung nach Einladungen zum offenen Frühstückstreff oder gemeinsamen Mittagessen. Die Tore öffnen und Feste feiern. Das beinhaltet, auch die mitzunehmen, die von alleine nicht kommen können: Besuchsdienste, Redezeiten, Abhol- und Bringdienste sind nach wie vor unerlässlich. Darüber hinaus gehe es darum, Selbstbewusstsein und Phantasie zu entwickeln. Monika Geselle, Gemeindepädagogin im Frankfurter Nord- und Ostend und Bornheim, gibt zu bedenken, dass Menschen heutzutage länger „alt“ sind, weil sie durchschnittlich länger leben und daher für die verschiedenen Altersphasen jeweils passende Formate entwickelt werden müssen. Für eine große Gruppe von Seniorinnen und Senioren gibt es demnach großen Bedarf an vielfältigen Angeboten in Zusammenhang mit Kunst und Kultur. Eine Ausstellungsführung mit Gespräch, ein Kirchenbesuch, eine eigene Lesereihe gestalten, aber auch Landschaft und Natur erleben, Ausflüge in die Region unternehmen. Für andere, meist hochbetagte oder gesundheitlich eingeschränkte Menschen, sei es indes wichtig, ein abwechslungsreiches Programm vor Ort zu erhalten. Die Gemeinden bieten als geschützter öffentlicher Raum ein großes Potenzial, die Vernetzung der Menschen im Quartier zu stärken, um weiter eigenständig soziale Beziehungen zu leben. Die Erfahrung zeigt, dass sich dann auch kirchenferne Menschen in die Gemeinde einbringen.

Autorin: Silke Kirch

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