Einfach einen Blumentopf hinstellen – das geht gar nicht

20.07.2017

Des Sommers ganze Blütenpracht kann auf den Altären in den Kirchengemeinden bewundert werden – wer sorgt dafür?

Reicher Segen für die Vasen

Kornblumen in sattem Blau, Dahlien, Margeriten, Gräser, Sonnenblumen, Hortensien, dazwischen ein zartgelbes Löwenmäulchen, ein violetter Rittersporn -  allzu gut passt in diesen Wochen die erste Zeile des berühmten Paul-Gerhardt-Liedes „Geh aus mein Herz und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit“ zu den üppig blühenden Altargestecken in den Kirchen. Manche Knospe und mancher Zweig kommt aus dem Vorgarten des Gotteshauses, in einigen Fällen sorgt der Küster dafür, dass es am Sonntag in allen Farben der Natur leuchtet. Gelegentlich sind es Ehrenamtliche, manchmal Blumenläden, die die Blüten von den Beeten holen.

In der Evangelischen Wicherngemeinde in Praunheim kümmert sich ein Kreis Ehrenamtlicher darum. Im Gemeindebrief steht unter der Überschrift „Der Blumendienst“: Es bereite „sehr viel Freude, sonntags den Altar oder den Kirchsaal mit Blumen zu schmücken, die hauptsächlich aus unseren heimischen Gärten stammen“, hingewiesen wird: weitere florale Spenden sind willkommen.

In Nieder-Eschbach gibt es einen Blumenladen des Vertrauens: „Die Pfarrerin sagt, welche Blumen es sein sollen“, heißt es im Gemeindebüro, „aber die wissen schon, was gefällt“, fügt die Sekretärin hinzu. Auch die Evangelische Sankt Paulsgemeinde favorisiert für den Schmuck in der Alten Nikolaikirche auf dem Römerberg ein Blumengeschäft. Der Küster trifft die Absprachen. Pfarrerin Andrea Braunberger-Myers nennt als Orientierung „die liturgischen Farben des Kirchenjahres“.

Da passen die Gestecke schon mal zu den Fensterrahmen

Rosemarie Kiermeir, Sekretärin in der evangelischen Kirchengemeinde Niederursel, bestellt gleichfalls bei Profis, sie ordert bei ihrer Tochter, die hat Floristin gelernt und kennt das Gotteshaus der Gemeinde, die Gustav-Adolf-Kirche, aus dem Effeff. Die Wände des frisch renovierten Martin-Elsaesser-Baus aus den zwanziger Jahren sind unlängst wieder in den ursprünglich geplanten Farben getüncht worden, die Fensterrahmen wie einst in sattem Rot gestrichen. „Das greift sie alles auf“, erzählt Kiermeir.

Die Verwaltungskraft hat einen weiteren Stellenanteil in der Evangelischen Gemeinde Cantate Domino in der Nordweststadt, da läuft es mit dem Blumenschmuck anders. Kirchenvorsteher kümmern sich darum. Zwei Mal im Monat wird an der Ernst-Kahn-Straße Gottesdienst gefeiert. Die jeweils zuständigen Kirchenvorstandsmitglieder verantworten nicht nur Lesung und Kollekte, sie sorgen auch für frische Blüten in der Vase.

Blumen können nun mal nicht eingeweckt werden

Vier, fünf Tage sind Blumensträuße noch frisch, von Sonntag bis Sonntag reicht die Pracht kaum. Diesen Sommer hat die Evangelische Erlösergemeinden in Oberrad davon profitiert, dass Blumen nicht eingefroren und oder eingeweckt werden können. tl_files/images/content/aktuelles/2017_07/2017-07-Blumen-Erloesergemeinde.jpg

Gaben einer großzügigen Blumenhändlerin in Oberrad
beide Fotos: Erlösergemeinde

Als die Floristin, die regelmäßig den Altarschmuck liefert, ihren Urlaub antrat, spendete sie die gesamten verbliebenen Schnittblumen. Daraus band Margarete Homner, die seit 26 Jahren in der Gemeinde als Küsterin arbeitet, nicht nur ein Bukett für den Altar, sondern auch eine Vielzahl kleiner Sträußchen. Nach dem anstehenden Taufgottesdienst konnte jeder und jede ein kleines Gebinde mitnehmen.

Homner freut sich schon auf Erntedank, da spenden die umliegenden Gärtnereien stets großzügig. Aber die ganz üppigen Zeiten, in denen Gärtnereien, dafür eigens Felder mit Sonnenblumen belegten, sind vorbei, „das ist ein Knochenjob, den will die nächste Generation oft nicht mehr machen“ – das bekommt sie auch bei den Erntedankgaben zu spüren.

Einen Blick für Fundstücke im Vorgarten

Die Sekretärin der Evangelischen Kirchengemeinde Bockenheim ist ganz begeistert davon, was Küster Nenad Tasic auf den Altar stellt, „der macht die tollsten Gestecke.“ Der 56-Jährige stapelt erst mal tief, „ich kaufe günstig auf der Leipziger ein, manchmal gehe ich auch zur Heerstraße“, außerdem habe er es nicht so mit den Farben. Aber dann erzählt er doch von Schalen und Vasen, von Steckmoos, Vogelbeeren und Efeu aus dem Kirchgarten, von Nachbarn, die ihn auch pflücken lassen. Eine Dreiviertelstunde verwendet er wöchentlich auf das Altargesteck, schätzt er. Wenn nicht eine Hochzeits- oder Taufgesellschaft dafür gesorgt hat.

Einfach einen Blumentopf hinstellen - das erscheint allen unvorstellbar. Vor ein paar Jahren kam bei www.evangelisch.de mal die Frage an: „Gibt es einen Beschluss, der verbietet, dass Topfblumen auf dem Altar stehen? Und wenn ja, warum?“ Die Antwort auf der vom Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik verantworteten Seite lautete: „Es ist in der Tat so, dass auf einem Altar in der Regel Schnittblumen stehe sollen. Ein Gesetz dafür ist mir nicht bekannt, aber ich verstehe die Gründe: Schnittblumen symbolisieren die Vergänglichkeit.“

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