„Er hat es nötiger gebraucht als wir“

25.07.2014

Jugendliche geben Münzen der Kunstaktion vor der Sankt Katharinenkirche an Obdachlosen

"Rekonstruktion" des Vertrauens in der Sankt Katharinenkirche Foto Ralf Kopp

In der Nacht vom 17. auf den 18. Juli verschwanden alle Münzen, die der Darmstädter Ralf Kopp im Rahmen seiner Kunstaktion „Gier frisst: Vertrauen“ vor der evangelischen Sankt Katharinenkirche an der Hauptwache in Form des Wortes „Vertrauen“ auf dem Boden platziert hatte ( http://www.gierfrisst.de/). Jetzt gebe es zumindest eine Antwort auf die Frage, was mit einem Teil der 540 Euro geschehen ist, teilte der Künstler mit: Vier Jugendliche hätten dafür gesorgt, dass die Münzen in den Taschen eines Obdachlosen landeten.

„Ich bin sehr stolz auf euch und tief berührt“, resümiert Ralf Kopp, als er sich am 23. Juli mit zwei der Jugendlichen, Elisha und Niclas, persönlich traf. Sie erzählten ihm folgende Geschichte: Die Clique war noch nachts in Frankfurt unterwegs, als sie von einem Obdachlosen angesprochen worden, ob sie ihm nicht etwas Geld geben könnten. Wenige Minuten später stießen die Vier auf das schon stark dezimierte „Vertrauen“ vor der evangelischen Sankt Katharinenkirche. Daraufhin gingen sie zurück zu dem Obdachlosen, begleiteten ihn zur Kirche und halfen ihm, die übrigen Cent-Stücke in eine Plastiktüte zu packen, so die Darstellung des Künstlers nachdem er mit den Jugendlichen gesprochen hatte.

„Wir waren ziemlich erstaunt, als uns ein gut gekleideter Herr aufforderte, das Geld doch besser selbst zu einzustecken“, habe der eine Junge ihm erzählt, „der hat sich zuvor bereits selbst bedient“, sein Freund, so Kopp. Doch die vier jungen Menschen hätten unbeirrt weitergemacht. Dankbar und mit der Ankündigung, das Geld mit anderen Bedürftigen teilen zu wollen, sei der Obdachlose davongezogen, teilt der Darmstädter Künstler mit, der kurz nach dem Geschehen von den Jugendlichen auf dem Handy informiert wurde.

Eine Kamera dokumentierte den gesamten Zeitraum. Sie war allerdings so platziert, dass keiner der Selbstbediener zu identifizieren war. Dennoch machte die Kleidung deutlich, dass hier nicht nur Bedürftige zugelangten. „Ich wusste nicht, wie lange das Wort aus Ein-Cent-Stücken liegen bleibt. Ich habe mir nur gewünscht, dass Menschen es einstecken, die es wirklich nötig haben. Schön, dass dieser Wunsch nun wenigstens zum Teil in Erfüllung gegangen ist“, sagt Kopp.

Die Ausstellung „Gier frisst: Vertrauen“ läuft noch bis zum 31. Juli 2014. Parallel zum Experiment „Gier frisst: Vertrauen“ vor der Katharinenkirche zeigt Ralf Kopp im Innern der Kirche weitere Kunstobjekte, die sich mit dem Verhältnis des Menschen zu Geld auseinandersetzen.

Zurück