Für ihn ist es der Startschuss

26.06.2014

Pfarrer Thomas W. Stephan läuft beim IronMan auch für Flüchtlinge

Training am Main Foto: Rolf Oeser

IronMan, European Championship, Frankfurt am Sonntag, 6. Juli 2014: Dabei ist Pfarrer Thomas W. Stephan, tätig in der Evangelischen Paul-Gerhardt-Gemeinde in Niederrad. „I swim – bike- run for fun“ – lautet sein Motto und „Refugees don´t“. Den 45jährigen verbindet damit: Ein langer Spurt zu sich selbst, Engagement für seinen Glauben, Einsatz für Flüchtlinge.

Thomas W. Stephan bittet, den IronMan, das Hochleistungsrennen in den Disziplinen, Laufen, Schwimmen, Radfahren, zum Anlass zu nehmen, der Organisation CCME eine Spende zukommen zu lassen. Die Kommission der Kirchen für Migranten in Europa nahm 1964 ihren Sitz in Genf, 1978 wurde sie eine eigenständige ökumenische Organisation in Brüssel, die sich 1999 umbenannte in „Ökumenische Organisation zu Migration und Integration, Asyl und Flüchtlingen, sowie gegen Rassismus und Diskriminierung in Europa“. Ihre Mitglieder sind anglikanische, orthodoxe und protestantische Kirchen sowie nationale Kirchenräte und kirchliche Werke, die im Bereich Migrationsdienst spezialisiert sind. Stephan hat die Arbeit der Organisation näher während seines Spezialvikariats in Brüssel kennengelernt – bis heute hält die Bindung an.

CCME setzt sich auf politischer und kirchlicher Ebene für Migranten, Flüchtlinge und Asylsuchende ein. Hierbei fungiert CCME als Schnittstelle zwischen den nationalen Kirchen und den EU Institutionen. CCME vertritt in der politischen Willensbildung und gesellschaftspolitischen Diskussionen kirchliche Positionen, die auf dem christlichen Glauben basieren. Durch intensive Lobbyarbeit macht CCME auf Probleme aufmerksam, bringt Monitoringergebnisse von verschiedenen christlichen Organisationen aus den europäischen Ländern, die direkt mit Flüchtlingen und Migranten arbeiten, in den politischen Diskurs ein.

Aktuelle Themen sind vor allem der Einsatz für eine sichere Passage von Flüchtlingen auf ihren Wegen aus Krisengebieten und der Kampf gegen Menschenhandel.

Stephan bittet darum, unter dem Betreff „I run for fun" der CCME eine Spende zukommen zu lassen an: Kontoinhaber: CCME,  Bank: BNP Paribas Fortis, Brüssel, (IBAN): BE76 0010 7929 9495,  (BIC): GEBABEBB.

 

Pfarrer Thomas W. Stephan über seine Motivation, beim IronMan mit dabei zu sein:

Ich schwimme – fahre – laufe zum Spaß –– Flüchtlinge nicht !

I schwim – bike – run for fun –– Regugees don’t!

Evangelischer Pfarrer stellt sich der Herausforderung des IronMan – zum Spaß. Flüchtlinge sind oft gezwungen, um ihr Leben zu schwimmen und zu laufen.

Am 6. Juli, stelle ich mich der wohl größten Herausforderung meines Lebens – dem IronMan Triathlon mit 3,8 km Schwimmen, 180 km Rad fahren und einem Marathon zum Abschluss.

tl_files/images/content/aktuelles/2014-06/2014-07-Stephan-2010.jpgBis hierhin habe ich einen sehr langen Weg hinter mir. Noch 2010 wog ich rund 230 Kilogramm. Durch den wundervollen Satz: „Für mich musst du nicht abnehmen.“, geschah genau das. Ich verlor etwa 150 kg Gewicht. Gelöst, er-löst von dem Druck abnehmen zu müssen, um Ansprüchen anderer und den eigenen genügen zu müssen, bewirkte dieses unvoreingenommene angenommen sein, dass ich ganz ohne Diät, ohne Plan und Zwang so viel abnehmen konnte. Befreit, geschah an mir dieses Wunder, das im wahrsten Sinne des Wortes Berge versetzt hat.

Nach etwa eineinhalb Jahren wurde dann in mehreren Operationen die überschüssige Haut entfernt und mein ganzer Körper musste sich neu ausrichten und wieder zurecht finden, Knochen, Sehnen, Muskeln. Das ist immer noch im Gange.

Aus Spaß an der Bewegung und der Faszination über die neuen, unendlichen Möglichkeiten, die ich nun wieder hatte, habe ich begonnen zu laufen. Erst ein paar Kilometer nur, dann – weil es so gut ging und riesigen Spaß macht – mehr. Schließlich ein Marathon. Das war für mich eine wichtige Etappe auf meinem persönlichen Weg, eine Wegmarke, ein Punkt, an dem sich ganz viel fest machen lässt, und an dem ganz viel von mir, von der zurückgelegten Strecke abgefallen war.

Jetzt mache ich Sport, weil es mir Spaß macht. Und nach meinem Motto: Nur wer das Unmögliche will, wird das Potential des Möglichen ausschöpfen“ - und weil ich, wie ein kleines Kind begeistert bin, was jetzt alles „geht“ und täglich Neues entdecke, schaue ich nach neuen Herausforderungen. Nach einem „kleinen“ Triathlon letztes Jahr ist der IronMan Triathlon in meiner Stadt Frankfurt nur die logische Folge.

Ich denke, das ist das Größte, das man als normaler Mitteleuropäer, Hobbysportler machen kann. Bald ist es soweit – und ich habe mächtig Bammel.

Ich erzähle das, weil ich unendlich dankbar bin, dass ich das überhaupt machen kann.

Ich bin dankbar der Person, die diesen wunderbaren Satz gesagt hat, ich bin dankbar, dass ich aus alledem kerngesund und ohne Folgekrankheiten hervorgegangen bin, dankbar für die Menschen, die mich auf diesem Weg begleitet und unterstützt haben.

Ich danke Gott, dass ich laufen und springen kann.

Ich bin aber auch – wie alle Starterinnen und Starter am 6. Juli auf andere Weise privilegiert. Ich kann, ich darf das nur zum Spaß machen! Das gilt nicht für alle Menschen, die an diesem und anderen Tagen unterwegs sind.

  • Wenn ich ins Wasser springe, dann tue ich das freiwillig. Die Strecke ist überwacht und Rettungskräfte passen auf uns Sportler auf.
  • Wenn ich einen Schuss höre, weiß ich, es ist der Startschuss, der in die Luft zielt und nicht auf meinen Rücken.
  • Wenn ich während des Rennens Hunger und Durst habe, gibt es Verpflegungsstationen, wenn ich mich verletze, sind da Sanitäter und wenn ich nicht mehr kann, weil ich erschöpft bin, kann ich jederzeit aufhören und anhalten und ein Shuttlebus bringt mich zum Ziel.
  • Menschen an der Stecke, die schreien und mit den Armen winken, feuern mich an und wenn ich es schließlich ins Ziel schaffe(n) sollte, erwartet mich ein herzliches Willkommen vom Publikum und ein Handtuch von einer freundlichen Helferin.

Das ganze Rennen ist perfekt organisiert und abgesichert, ich fühle mich sicher und gut aufgehoben.

Mann, habe ich ein Glück!

Diese Herausforderung ist aber nichts, verglichen mit der Herausforderung vor der tagtäglich viele Tausend Flüchtlinge überall auf der Welt stehen. Es ist eine lebensgefährliche Reise, mit ungewissem Ausgang. Sie ist mit Gefahr, Leid, Entbehrungen und oft Ablehnung im Ziel verbunden.

Und vor allem: Flüchtlinge machen das nicht freiwillig! Sie rennen um ihr Leben – nicht zum Spaß.

Viele Menschen sind gezwungen, ihre Heimat vielleicht für immer zu verlassen, sich auf einen gefahrvollen Weg zu machen. Familien kratzen alles Geld zusammen, um den oder die Beste auf den Weg zu schicken. Sie müssen sich dabei oft in die Hände von kriminellen Menschenhändlern begeben, Hunger und Durst erleiden. Familie und Freunde sehen sie vielleicht nie wieder, sie durchqueren Wüsten und Meere, um dann oft genug an unüberwindbare Mauern zu stoßen.

  • Wenn sich ein Flüchtling ins Meer stürzt, weiß er nicht, ob er auf der anderen Seite ans Ufer steigen wird, ob er in Gefahr gerettet wird.
  • Wenn ein Flüchtling Schüsse hört, geht es um sein Leben.
  • Wenn ein Flüchtling Hunger oder Durst hat, sich verletzt oder einfach nicht mehr kann, gibt es keine Hilfe, kein zurück.
  • Wenn ein Flüchtling Menschen schreien und mit den Armen wedeln sieht, ist es oft genug Hass und Ablehnung, die ihm entgegen schlagen. Kein: „Herzlich willkommen“, sondern: „Hau ab, du bist hier nicht willkommen.“

Wenn ich es am 6. Juli – hoffentlich – ins Ziel schaffe, bin ich für viele (für Freunde und Familie ganz bestimmt) ein Held – ABER die wirklichen Helden sind ganz andere – an diesem Tag und an jedem Tag.

Die wirklichen Helden sind die, die gezwungen durch Hunger, Naturkatastrophen oder Krieg ihre Heimat verlassen müssen und sich auf den Weg machen – auf der Suche nach einem besseren (?) Leben und weil sie keine Wahl haben.

Die Hoffnung, gut ins Ziel zu kommen haben sie mit uns Sportlern gemeinsam und dennoch ist ihr Einsatz ungleich höher, ihre Herausforderung ungleich größer und ihr Rennen ungleich gefährlicher. Sie rennen um ihr Leben.

Dass ich das machen darf, habe ich mir aber nicht verdient. Dass ich nur so zum Spaß Schwimmen, Radfahren und laufen darf, liegt vor allem an meiner Herkunft aus Europa. Auch dass ich als EU Bürger frei bin, fast überall hinzugehen und zu reisen, wohin ich will. Ich kann mich nahezu in der ganzen Welt niederlassen, ich habe ein sicheres Heimatland. Das ist ein unschätzbares Privileg und sollte ein Menschenrecht für alle sein.

Daher bitte ich Sie, spenden Sie für CCME (www.ccme.eu).

Unterstützen Sie die Arbeit von CCME, sich auf politischer Ebene für die Verbesserung der gesellschaftspolitischen Zustände und gesetzlichen Regulierungen zu Asyl- und Flüchtlingsfragen einsetzen zu können. Helfen Sie CCME, auf Missstände aufmerksam machen und uns alle informieren zu können, was an unseren Grenzen und in unseren Ländern mitunter geschieht – mit Hintergründen und Zusammenhängen, die nicht grade in den Schlagzeilen sind.

Viel Glück und Gottes Segen für alle, die an diesem Tag unterwegs sind – ob zum Spaß oder nicht.

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