Großes Unionsfest in der Europäischen Reformationsstadt Idstein

17.07.2017

Festwochenende vom 11. bis 13. August anlässlich 200 Jahre Nassauische Union

Die Unionskirche in Idstein Foto: EKHN/Volker Rahn

In vier Wochen starten in Idstein im Taunus die Feierlichkeiten zu 200 Jahren „Nassauische Union“. Vom 11. bis 13. August begehen die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), die Kirchengemeinde Idstein und das Evangelische Dekanat Rheingau-Taunus mit vielen Kirchengemeinden im Umland das Jubiläum. Im August 1817 einigten sich verschiedene evangelische Strömungen in Idstein erstmals in wichtigen Glaubensfragen und konnten so unter anderem gemeinsam das Abendmahl feiern.

Festakt in Unionskirche unter anderem mit Malu Dreyer

Den Auftakt der Feierlichkeiten macht am 11. August um 19 Uhr ein Festakt in der Unionskirche, an dem unter anderem die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer, der hessische Kultusminister Alexander Lorz, der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung sowie der pfälzische Kirchenpräsident Christian Schad teilnehmen. Die Festrede wird Alt-Bischof Axel Noack (Halle) halten. Bei der Veranstaltung sollen auch zwei neue „Unionsfenster“ in der Kirche feierlich ihrer Bestimmung übergeben werden. Ende Juni war die prachtvolle Kirche nach über drei Jahre dauernden Renovierungsarbeiten wieder eröffnet worden. Die Unionskirche in Idstein gilt als eines der bedeutendsten Baudenkmäler der EKHN. Die Veranstaltung ist öffentlich zugänglich und Gäste willkommen.

Fast 40 Stände zum Fest in der Innenstadt

Ein Höhepunkt der Feierlichkeiten für Bürgerinnen und Bürger wird das Unionsfest am 12. August. Von 10 bis 16 Uhr gibt es Angebote rund um das Motto „Unterschiede überwinden – gemeinsam feiern“. Druckerpresse, Segenspavillon, Erzählzelte, Stadtführungen, den Alterssimulationsanzug AleX, Tombola, das Rheingauer Inklusionsmobil sind unter anderem vor Ort. Wer will, kann zudem an einer Unionsbibel mitschreiben, oder sich mit Gänsekiel und Feder probieren. Es gibt zudem Interviews mit regionalen Prominenten und Geflüchteten. Kurzfilme zur Reformation sind ebenso angedacht, wie gemeinsam Tanzen, neue und alte Thesen mit dem Reformator Luther persönlich bei Tischgesprächen diskutieren. Insgesamt werden in der Idsteiner Innenstadt knapp 40 Stände und Aktionen angeboten. Das ganze Programm findet sich unter www.evangelisch-rheingautaunus.de

Kindermusical in der Unionskirche und Luther-Bühne auf dem Löherplatz

In der dann wieder geöffneten Unionskirche gibt es ein musikalisches Programm, unter anderem um 13.30 Uhr und 15 Uhr ein von Dekanatskantor Carsten Koch und Pfarrerin Daniela Opel-Koch komponiertes Kindermusical."Kinder, Kirche, Kunst und Käthe oder Eine kleine Abendmahlsgeschichte". Das Drehbuch liest sich wie ein fröhlich-munteres Historiendrama. Die für die Union bedeutenden Persönlichkeiten Graf Johannes und  Herzog Wilhelm von Idstein sowie Martin Luther treffen in der Idsteiner Kirche aufeinander. Mittendrin eine evangelische Pfarrerin, die das Abendmahl an alle austeilt, egal welchen Alters, Geschlechts und welcher Konfession, sogar an Kinder, die große Augen machen und singen.

Union-Revival-Konzert mit „Idstock-Feeling“

Ab 16 Uhr trommeln am Samstag Trommler aus der Region die Menschen zum Uni-on-Revival-Konzert zusammen, dass den Abschluss des Unionsfestes bilden wird. Unter dem Motto: Starke Lieder, die verbinden, Idstock statt Woodstock. Dazu wird es ein Mitsing-Konzert mit den bekanntesten Lidern der vergangenen 200 Jahre geben. Die Picknick-Decke soll nicht vergessen werden.

Festgottesdienst am Sonntag

Am 13. August findet dann um 10.30 Uhr ein Festgottesdienst in der Unionskirche statt, an dem Kirchenpräsident Volker Jung die Festpredigt halten wird. Er wird sich an den Predigttext orientieren, der vor 200 Jahren Grundlage des Festgottesdienstes zur Nassauischen Union war.

Luther-Rosenmontags Motivwagen als Bühne kommt aus Mainz

Bereits am 11. August wird auch der Luther-Motivwagen, der in diesem Jahr am Mainzer Rosenmontagszug teilnahm, auf den Löherplatz erwartet. Er dient dann während der Festtage als Bühne. Martin Luther und seine Frau Katharina werden ihn in Idstein höchstpersönlich in Empfang nehmen, verspricht das Dekanat.

Hintergrund Nassauische Union

Im August 1817 wurde in der Idsteiner Unionskirche ein „Konfessionsfriede“ zwischen Lutheranern und Reformierten geschlossen. Für die letzten Meinungsverschiedenheiten in Glaubensfragen konnte nach langen Ringen endlich ein Konsens gefunden werden. Dadurch war es beiden evangelischen Glaubensrichtungen möglich unter anderem gemeinsam im Gottesdienst das Abendmahl zu feiern. Die „Nassauische Union“ stellt somit ein besonderes historisches Ereignis in der Weiterentwicklung des Protestantismus dar, weil sie die erste Union zwischen zwei Konfessionen in einem deutschen Flächenland war. Daraus entwickelte sich das Motto der 200 Jahr-Feierlichkeiten: „Unterschiede überwinden – gemeinsam feiern.“ Aus heutiger Sicht sind die Streitigkeiten kaum mehr nachvollziehbar. „Aber das wäre ungefähr so, als würde man eingefleischte Fußballfans von Eintracht Frankfurt und Darmstadt 98 bitten, im gleichen Block zu sitzen und die gleiche Mannschaft anzufeuern“, versucht Christian Weise, Sprecher des Dekanats Rheingau-Taunus, die damalige Stimmungslage zu beschreiben.

 

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