Protest ja, aber keine Gewalt

16.05.2012

Evangelische Kirche zu den Blockupy-Aktionstagen

Solidaritätmit den Opfern der Finanzkrise, ein Votum für Meinungsfreiheit in einer starkenZivilgesellschaft, Verständnis für Kritikpunkte und Anliegen derDemonstrantinnen und Demonstranten der Ocupy-Bewegung – dafür spricht sich dieevangelische Kirche in Frankfurt in einer Stellungnahme aus. Zugleichruft sie die Teilnehmenden an den Blockupy-Aktionstagen zu „absolutgewaltfreien Formen des Protestes“ auf. „Die Aktionsformen werden sich auchdaran messen lassen müssen, ob es gelungen ist, die von vielen Menschen unsererGesellschaft geteilte Kritik gewaltfrei zu äußern und Lösungsmöglichkeiten auffriedlichem Weg zu finden.“

DieStellungnahme im Wortlaut:

Protestja, aber keine Gewalt!
EvangelischeKirche zu den Blockupy-Aktionstagen

Dieevangelische Kirche in Frankfurt tritt ein für die offene Auseinandersetzungüber die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen der Finanz-und Wirtschaftskrise. Als ChristInnen solidarisieren wir uns mit den Menschen,die unter den massiven sozialen Verwerfungen der Krise, wie z.B. der massivzunehmenden Armut und der hohen Jugendarbeitslosigkeit in Südeuropa zu leidenhaben. Vor dem Hintergrund der nach wie vor ungelösten Folgeprobleme aufnationaler wie internationaler Ebene unterstützen wir die Kritik an derungerechten Lastenverteilung der Krise und fordern eine breite Diskussion umdie Zukunft Europas.

Angesichtsdieser Herausforderungen braucht unsere Gesellschaft eine starkeZivilgesellschaft. Damit sich diese artikulieren kann, ist sie angewiesen aufdie grundrechtlich garantierte Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Frankfurtist geprägt von einem intellektuell offenen und liberalen Geist, der sichgerade unter den Bedingungen verschärfter gesellschaftlicherAuseinandersetzungen bewähren muss.

Zugleichweckt die Auseinandersetzung um die geplanten Blockupy-Aktionstage die Sorge,dass es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen in der Stadt kommt. Die Furchtvor Ausschreitungen darf jedoch nicht von der Politik zum Anlass genommen werden,die berechtigten Anliegen der Bewegung zu diskreditieren.

Umder Glaubwürdigkeit des Protestes willen treten wir für absolut gewaltfreieFormen des Protestes ein und rufen alle Teilnehmenden dazu auf. Wirdistanzieren uns von jeglicher Gewalt gegen Menschen und gegen Sachen, wozuauch die Geschäfte unserer Stadt gehören. Die Aktionsformen werden sich auchdaran messen lassen müssen, ob es gelungen ist, die von vielen Menschen unsererGesellschaft geteilte Kritik gewaltfrei zu äußern und Lösungsmöglichkeiten auffriedlichem Weg zu finden. Wir rufen deshalb die Polizei, die Verantwortlichender Stadt Frankfurt und der Aktionstage dazu auf, deeskalierend zu wirken.

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