Mit Nicole Kidman auf dem Roten Teppich in Cannes

03.12.2014

Stadtkirchenpfarrer Werner Schneider-Quindeau geht in Ruhestand

Foto: Rolf Oeser

Mit Nicole Kidman auf dem Roten Teppich in Cannes, mit George Clooney bei den Filmfestspielen in Venedig – für den Jungen aus Gönnern im Hessischen Hinterland wurden die Träume von Welt und Weltläufigkeit wahr. Heute sitzt Werner Schneider-Quindeau an einem alten Holztisch in der Beletage eines Gründerzeithauses im Westend, und lässt Stationen seines Berufslebens Revue passieren. Den Jetlag von seinem New York-Besuch merkt man ihm nicht an. Und läge die Einladung zu seinem Abschied als Pfarrer für Stadtkirchenarbeit am 20. Dezember in der Sankt Katharinenkirche nicht auf dem Tisch, glaubte man ihm auch den bevorstehenden Ruhestand nicht.

In seiner „neuen Lebensphase“ will der 65-Jährige noch eine Weile als Vorsitzender der Jury der Evangelischen Filmarbeit weitermachen. Und für ein viertel Jahr in New York leben, dem „Mikrokosmos“, der die Utopie vom friedlichen Zusammenleben aller Völker und Religionen verkörpert. „Excursion and Reflection“, nennt Schneider-Quindeau als Motto seiner Studienreise, die er Ende März nach New York anbietet, auch seine Vorstellung von Kirche hat damit zu tun: „Genauso wie ich beim Anschauen einer Stadt die Vermittlung von Zusammenhängen brauche, um sie zu verstehen, muss ich die Frohe Botschaft so übersetzen, dass sie in den unterschiedlichsten Kontexten ankommt. Dabei geht es nicht um Deutungshoheit, sondern darum, von anderen Deutungen zu lernen.“ Auch Filme versteht Schneider-Quindeau als „Gleichnisse des Himmelreiches“.

Hinausgehen ins Leben, aus der Praxis die Fragen der Theorie entwickeln, ist der Ansatz Schneider-Quindeaus. Kein Wunder, dass er in seiner Zeit als Studienleiter am Theologischen Konvikt in Frankfurt Gemeinde-, Diakonie- Industrie- und Sozialpraktika in die Ausbildung junger Theologen einführte. Als Pfarrer für Gesellschaftliche Verantwortung lebte er den Praxisbezug des Glaubens weiter. Und knüpfte aus seiner Neugier und seiner Lust am Gespräch viele Kontakte, die ihm zugutekamen, als er 2007 die Stadtkirchenarbeit übernahm.

Für die 50.000 bis 60.000 Kirchenbesucher im Jahr aus ganz Hessen baute der Theologe eine Gruppe ehrenamtlicher Seelsorger auf, die werktags in der Sankt Katharinenkriche ansprechbar sind. Einmal im Monat nimmt er im „Gebet für Frankfurt“ die Stadt ins Gebet: „Wir müssen über die Verteilung von Reichtum reden, damit die Kluft zwischen Armen und Reichen in Frankfurt nicht tiefer wird“.

Kooperationen mit Künstlern zur Luminale und zur Buchmesse – der Strauß der Aktivitäten ist bunt. Ein Projekt steht allerdings noch aus: mit einem schicken Glasanbau die Kirche als Forum auf der Piazza zu präsentieren. Auch die bessere Ausstattung der Stelle ist dem Pfarrer ein Anliegen: „90 Prozent meines Haushaltes muss ich über Fundraising einwerben, das kostet viel Zeit.“ Während der vier Wochen Winterspeisung in der Kirche sind 150 Mitarbeiter der Deutschen Bank starke Partner. Sie erleben das Bank-Motto „Passion to Perform“ plötzlich ganz neu: „Wenn sie hier performen, nehmen sie die Passionsgeschichte dieser Menschen ernst“, sagt Schneider-Quindeau und lässt die Arme sinken.

Pfarrer Werner Schneider-Quindeau, wird am Samstag, 20. Dezember 2014, um 15 Uhr in der evangelischen Sankt Katharinenkirche, An der Hauptwache, Innenstadt, von der Pröpstin für Rhein-Main, Gabriele Scherle, verabschiedet.

Susanne Schmidt-Lüer

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