Nacht der Bibel

17.05.2017

Constanze Becker, Peter Lohmeyer und Peter Schröder sind mit dabei in der Heiliggeistkirche

vl. li. Constanze Becker, Peter Schröder und Peter Lohmeyer

Zu einer prominent besetzten „Nacht der Bibel“ wird am Dienstag, 30. Mai 2017, in die Heiliggeistkirche am Dominikanerkloster, Dominikanergasse, Innenstadt, eingeladen: Der aus Film und Fernsehen bekannte Schauspieler Peter Lohmeyer wird zusammen mit Constanze Becker und Peter Schröder vom Schauspiel Frankfurt das Programm vortragen, das der Frankfurter Neutestamentler Professor Stefan Alkier entwickelt hat, den musikalischen Part steuert „Echoes of Scripture“ bei. Einlass ist ab 19.30 Uhr, die Nacht der Bibel beginnt um 20 Uhr, sie endet um 23 Uhr.

Veranstalter ist der Fachbereich Evangelische Theologie der Goethe-Universität in Zusammenarbeit mit der EKHN-Stiftung und der Evangelischen Kirche in Frankfurt. Dieser Abend im Jahr des Reformationsjubiläums hat einen Vorläufer: 2014 konzipierte Alkier anlässlich des 100jährigen Bestehens der Goethe-Universität in Zusammenarbeit mit der EKHN-Stiftung eine Nacht der Bibel. Jürgen Holtz, Angela Winkler und Constanze Becker sorgten damals für ein intensives Kulturereignis und eindrückliches Bibelerlebnis.

Vom ersten Buch Mose bis zur Johannesapokalypse, von der Schöpfung bis zur Neu-Schöpfung kommen bei der „Nacht der Bibel 2017“ grundlegende Texte der ganzen Schrift zur Sprache, „die erzählen, was bisher geschah und was man noch getrost erwarten kann“. Stefan Alkier, Professor für Neues Testament und Geschichte der Alten Kirche am Fachbereich für Evangelische Theologie der Goethe-Universität, hat die Nacht der Bibel in Form eines Programms entworfen, das den Zusammenhang der biblischen Bücher des Alten und Neuen Testaments als große Erzählung erschließt. Er selber wird auch als Gitarrist und Mitglied von „Echoes of Scripture“ mit von der Partie sein.

Der Eintritt zu dieser Veranstaltung ist frei, Spenden sind erbeten.

Zum Preis von 15 Euro wird an dem Abend eine CD mit dem Soundtrack der Nacht der Bibel zu erwerben sein.

Weitere Informationen zu dem Abend: hier

Hinweis: Mit großem Bedauern hat Barbara Auer ihre Mitwirkung bei der Nacht der Bibel am 30. Mai in Frankfurt am Main wegen einer Drehplanänderung absagen müssen. Dafür wird nun erfreulicherweise die wunderbare Constanze Becker vom Frankfurter Schauspielhaus, die schon bei der Uraufführung der Nacht der Bibel gelesen hatte, ihren Part übernehmen.

 

tl_files/images/content/aktuelles/2017_05/2017-05-Stefan Alkier (Foto Paul Ingham).jpgEin Interview mit Professor Alkier zu dem Projekt „Nacht der Bibel“
Wovon ließen Sie sich bei dem Programm der „Nacht der Bibel“ in diesem Jahr leiten?

Alkier: Vom 29. Mai bis zum 1. Juni findet an der Frankfurter Universität eine internationale Tagung zum Thema „Sola Scriptura“ statt – zu dem Thema „allein durch die Schrift“. Da geht es für mich um den Kern der Reformation. Finde, bei den Reformationsfeierlichkeiten wird viel zu häufig die Person Luther in den Mittelpunkt gestellt. Zentral ist doch die Botschaft, dass der Mensch die Bibel selbst interpretieren kann, aber auch muss. Luther sehe ich als Impulsgeber und das ist wichtig, weniger seine Biographie.

Haben Sie die neue aus dem Jahr 2016 stammende Bibelübersetzung zu Grunde gelegt?
Alkier: „Wir nutzen nicht nur eine Bibelübersetzung, sondern mehrere, die Lutherbibel ist dabei, aber auch die Züricher, der Basisbibel habe ich was entnommen, Übersetzungen von Martin Buber und Franz Rosenzweig verwandt, auch aus der Kinderbibel stammen Passsagen – die Sprache des Abends ist eine Polyphonie – von umgangssprachlich bis gehoben.

Neben der Übersetzung, was verbinden Sie mit Reformation und Bibel?
Alkier: Für mich bedeutet die Reformation die Verlagerung der Wahrheitsfrage von der Institution zum Subjekt. Man kann nicht „nicht interpretieren“. Luthers Übersetzung ins Deutsche sorgte dafür, dass jeder interpretieren kann – und soll. Auch in der evangelischen Kirche gerät das oftmals in Vergessenheit.

Der Abend kann ja nur Ausschnitte bieten, welche haben Sie ausgesucht?
Alkier: Die Bibel als Ganzes ist meins – sozusagen die Gegenbewegung zum Sonntagsgottesdienst, in dem einem die Texte ausgeschnitten werden. Dennoch musste ich natürlich für den Abend die Bibel auf zweieinhalb Stunden komprimieren. Mein Ziel dabei ist es, die große Geschichte zu erzählen – von der Genesis bis zur Johannesapokalypse. Das sogenannte Alte Testament ist die Verstehensvoraussetzung für das Verständnis des Neuen Testaments. In der Mitte findet sich die Auferweckung des Gekreuzigten.

Welche Rolle spielt die Musik neben dem Text?
Alkier: Man kann die Musik als „Meditationsinseln“ bezeichnen. Die Schauspieler sagen, die Musik gibt einem Ruhe, um sich zu konzentrieren, das Gelesene ausklingen zu lassen und sich auf das Folgende einzustellen. Das spiegelt auch der Name „Echoes of Scripture“ wieder, die Band wurde extra für die Nacht der Bibel gegründet.

Ganz neu sind die Bandmitglieder für Sie aber nicht, Ihr Bruder, der Musikprofessor ist, wirkt am Schlagzeug mit, sie spielen Gitarre.
Alkier. Ja, mit ihm spiele ich seit Schülerbandzeiten Mein Bruder ist ungeheuer vielseitig, von Helge Schneider bis Berliner Philharmoniker, er hat schon sehr viel gemacht, mit Leuten wie Albert Mangelsdorff, Dizzy Gillespie und Michel Petrucciani zusammengearbeitet. Von ihm geht eine ungeheure Ruhe aus, allein schon aufgrund seiner Erfahrung. Außerdem freue ich mich, dass in Frankfurter erstmals auch der Pianist Thomas Hufschmidt dabei ist, er lehrt auch als Professor an der Folkwang-Universität.

Wie kam der Kontakt zu den Schauspielern zustande?
Alkier: Lohmeyer ist Pfarrerssohn aus Bochum, ich wohne auch in Bochum und gehöre der Gemeinde an, in der einst sein Vater tätig war. Und wie beim letzten Mal haben wir wieder mit dem Ensemble des Frankfurter Schauspielhauses zusammengearbeitet.

Zum Abschluss: Was verbinden Sie persönlich mit der Bibel?
Alkier: Die Bibel begeistert mich. Sie lässt mich die ganze Welt und alle Menschen als von Gott liebevoll gewollte Mitgeschöpfe sehen. Sie spricht aus der Fülle der Schöpfung. Und: Die Bibel ist das Buch des Umdenkens. Ihre liebevolle Perspektive ist das Evangelium für alle Menschen. Wer gute Nachrichten nur für das eigene Volk, für die eigene Nation, für die eigene Interessengruppe hat, verrät die universale, grenzenlose und Grenzen einreißende Liebe Gottes.

Stefan Alkier, ist seit 2001 Professor für Neues Testament und Geschichte der Alten Kirche in Frankfurt am Main. Er wurde 1961 in Recklinghausen geboren und studierte Evangelische Theologie, Germanistik und Philosophie in Münster, Bonn und Hamburg. Seine literaturwissenschaftlich geprägte Bibelauslegung führte ihn auch zu einer international beachteten Neuinterpretation von Wunder und Auferweckung Jesu Christi.

 

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