Neuer protestantischer Glanz am Römerberg

18.05.2017

Evangelische Akademie stellt spektakulären Neubau in Frankfurt vor

Neuer Panoramasaal der Evangelischen Akademie Foto: Evangelische Akademie

Nach mehr als zwei Jahren Bauzeit ist die Evangelische Akademie Frankfurt kurz vor der Fertigstellung. In unmittelbarer Nähe des Römerbergs ist ein dreistöckiges Veranstaltungsgebäude mit einer spektakulären Glasfassade entstanden, das am Donnerstag (18. Mai) für Journalisten erstmals zugänglich war. Die Gesamtkosten für den Bau betrugen rund acht Millionen Euro. Das Gebäude bietet neben einem großen Veranstaltungssaal sowie einem Panoramasaal mit atemberaubendem  Ausblick über Frankfurts Skyline, mehrere Seminarräume sowie Büros für die Mitarbeiter der Evangelischen Akademie.Die offizielle und feierliche Eröffnung ist für Sonntag, den 20. August, vorgesehen.  Erste Veranstaltungen werden bereits ab Juni im neuen Gebäude stattfinden. 

Vor Journalisten würdigte der Präses der hessen-nassauischen Kirchensynode, Dr. Ulrich Oelschläger, das neue Akademiegebäude am Römerberg als „architektonisches Bekenntnis“ im Herzen der Stadt. Wie die evangelische Kirche selbst zeige sich das Haus „vielschichtig und offen“. Zugleich setzte es aber auch einen „Akzent in Frankfurts neuer Altstadt, der zur Diskussion einlädt“. Er wünsche sich, dass mit Hilfe des außergewöhnlichen Gebäudes die Arbeit der Akademie auch über die Stadt bis in die Regionen der hessen-nassauischen Kirche ausstrahlen könne. Oelschläger erinnerte zugleich an den Entscheidungsprozess in der evangelischen Kirche zum Neubau der Akademie, der ein „gemeinsamer Kraftakt“ gewesen sei. Mit dem „spektakulären Bau“ habe er ein glückliches Ende gefunden.

tl_files/images/content/aktuelles/2017_05/2017-05-Akademie__DSC_8411.JPG

Ausblick aus dem Panoramasaal der Akademie Foto EKHN/Rahn

„Als Gesellschaft und Kirche leben wir davon, dass sich Menschen engagieren, dass sie mitdenken und mitgestalten“, sagte die Pröpstin für Rhein-Main, Gabriele Scherle, und wies darauf hin, dass es gerade in einer beschleunigten Moderne besonderer Räume für den Diskurs bedürfe. „Die Evangelische Akademie stärkt das gesellschaftliche Engagement, indem sie solche Denkräume, Begegnungsräume und Gestaltungsräume schafft“, so Scherle.

Aus protestantischer Perspektive sei der Römerberg ein idealer Ort für die Evangelische Akademie Frankfurt, befand Stadtdekan Dr. Achim Knecht. „Hier wollen wir den Diskurs gesellschaftlicher Zukunftsfragen und Entwicklungen fördern, allen interessierten Bürgerinnen und Bürgern sowie zivilgesellschaftlichen und politischen Akteuren zum fairen Dialog Raum geben sowie selbst unsere christlichen Perspektiven und Orientierungen argumentativ in den Diskurs einbringen“, ergänzte Knecht.

Eine Akademie ohne Haus ist wie ein Fisch ohne Wasser, verglich Akademiedirektor Dr. Thorsten Latzel. „Für Menschen sind Orte wichtig, mit denen sie persönliche Erfahrung verbinden können.“ Die Akademie biete einen solchen Ort, so Latzel weiter. Das Gebäude habe ein hohes Potential im Stadtraum wahrgenommen zu werden, und entwickele so für die Stadtakademie der Evangelischen Kirche eine große Präsenz in der Innenstadt, sagte Architekt Florian Schlüter. Der Neubau setze sich durch Größe und Gestalt von der Wohnbebauung deutlich ab, erläutert Schlüter weiter. „Er orientiert sich dabei an den noch bedeutenderen Gebäuden wie Nikolaikirche und Römer, ohne in Konkurrenz zu diesen zu treten.“ Eine weitere Verbindung mit der Umgebung sei durch die partielle Bedruckung der Glasflächen entstanden, die Ornamente der 1950er-Jahre Bebauung aufgriffen. Das wecke Assoziationen zu der historischen Fachwerkstruktur, führte Schlüter aus.

So steht die neue Akademie stabil im Heute, aber zugleich im Einklang mit Zukunft und Vergangenheit. „Gerade angesichts einer zunehmenden Polarisierung der Gesellschaft ist es uns wichtig, einen offenen Diskurs und wirkliche Begegnung von Menschen zu ermöglichen“, resümierte Direktor Dr. Thorsten Latzel. „Dafür stehen wir. Gemäß dem Motto der Evangelischen Akademien: protestantisch – weltoffen – streitbar.“

Hintergrund

Baukosten
Die Kosten für den Neu- und Umbau belaufen sich auf 8.042.400 Euro. Davon trägt der Evangelische Regionalverband Frankfurt 3.929.400, die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau 3.376.000 Euro, die Evangelische Kirchenstiftung 172.000 Euro und die Evangelische Akademie 565.000 Euro

Zur Geschichte
Bis zum Jahr 2001 war im Gebäude Römerberg 9 die Theologische Zentralbibliothek des Evangelischen Regionalverbandes im Obergeschoss untergebracht. Die beiden unteren Geschosse wurden bis 2015 von der Evangelischen Sankt Paulsgemeinde genutzt. Nach Schließung der Bibliothek wurden die Räume im Jahr 2006 für eine Nutzung durch die Evangelische Stadtakademie des Evangelischen Regionalverbandes Frankfurt umgebaut. Der Umbau erfolgte durch Meixner Schlüter Wendt Architekten und kostete 710.000 Euro. Parallel entstanden erste Planungsüberlegungen zur Nutzung und zum Umbau des ganzen Gebäudes für die Akademie. 2009 wurde das Raumprogramm von einer Projektsteuerungsgruppe mit Vertretern des Evangelischen Regionalverbandes, der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und der Stadtakademie entwickelt. 2010 einigten sich der Evangelische Regionalverband Frankfurt und die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau auf den Standort Römerberg 9. Die Evangelische Stadtakademie Frankfurt und der Evangelischen Akademie Arnoldshain fusionierten. Baubeginn für die Evangelische Akademie war im Juli 2015.

 

Zurück