Stimmen der Befreiung - Brasilien im Fokus

26.09.2013

Zahlreiche Veranstaltungen der evangelischen Kirche zu dem Schwerpunkt der Buchmesse 2013

In den Veranstaltungen zur Buchmesse 2013 will die evangelische Kirche in Frankfurt sich dem Gastland Brasilien auf unterschiedliche Weise nähern. Die Literatur des Landes kommt ebenso in den Blick wie die gegenwärtige politische und wirtschaftliche Lage, das Wachsen der Pfingstkirchen in einem römisch-katholisch geprägten Land ist in gleicher Weise Thema wie die Geschichte der Befreiungstheologie bis zur Gegenwart. Auch die Lebensfreude dieses Landes mit seiner überwiegend jungen Bevölkerung soll in Musik und Tanz spürbar werden.

Brasilien wird in der künftigen Weltgesellschaft eine bedeutende Rolle spielen. Nicht nur die Fußball-WM in 2014 und die Olympiade in 2016 machen das gewachsene Gewicht dieses großen und weiten Landes deutlich. Es wird auch ein zentraler Partner Europas sein.

Ein Veranstaltungsüberblick:

Wachsende Wirtschaft – ungleicher Wohlstand - verkaufte Natur? - Ökumenisches politisches Nachtgebet in der evangelischen Alten Nikolaikirche, Innenstadt

Das Ökumenische politische Nachtgebet am Montag, 7. Oktober 2013, um 19 Uhr, in der evangelischen Alten Nikolaikirche, Römerberg, Innenstadt, ist unter dem Titel „Wachsende Wirtschaft – ungleicher Wohlstand – verkaufte Natur?" dem Schwerpunktland der diesjährigen Frankfurter Buchmesse, Brasilien, gewidmet. Das Land ist im Kommen: Die Schwellennation befindet sich auf dem Weg vom Dritte-Welt-Land zu einer der größten Volkswirtschaften der Welt. Die boomende Wirtschaft und das Sozialprogramm von Ex-Präsident Lula und seiner Nachfolgerin Dilma Roussef haben die Armut verringert. Doch zugleich wird auch der soziale Schatten dieser rasanten Entwicklung deutlich, wie zuletzt die Demonstrationen Hunderttausender anlässlich des Confed-Cups gezeigt haben. Zuvor hatten schon ökologische Schäden durch die Agrarindustrie und die Vertreibung der indigenen Völker durch riesige Staudammprojekte im Amazonas-Gebiet zu massiven Protesten geführt.

Das Politische Nachtgebet möchte mit Videos und Berichten ein anderes Gesicht von Brasilien zeigen. In Musik, Lesungen, Gebeten und Texten fragen wir nach unserer Verantwortung und suchen Zeichen der Hoffnung.

Musik: Christian Baumann, Orgel, Tina Freitas, Gitarre und Gesang (Bossa-Nova), Gast: Pfarrer Silvio Meincke, Schwäbisch-Hall.

Verantwortlich: Rüdiger Kohl, Pfarrer der Evangelischen Gemeinde Bockenheim, Harald Stuntebeck, Pastoralreferent der Katholischen Gemeinde Sankt Pius, Frankfurt, Dr. Gunter Volz, Pfarrer für Gesellschaftliche Verantwortung in Frankfurt

Sao Paulo – Menschenleben außerhalb des Booms - Bildeindrücke aus der Mega-Metropole dazu Lesung und Gespräch in der Sankt Paulsgemeinde, Innenstadt

Mittels Ausschnitten aus dem 2001 erschienen Buch „Es waren viele Pferde" von Luiz Ruffato, durch Fotos und im Gespräch wird am Dienstag, 8. Oktober 2013, um 19 Uhr, in der Evangelischen Sankt Paulsgemeinde, Römerberg 9, Innenstadt, die Mega-Metropole Sao Paulo dargestellt. Die Gemeinde greift damit das Schwerpunktthema der diesjährigen Buchmesse, Brasilien, auf. Der Autor Luiz Ruffato wird als Erneuerer der lateinamerikanischen Literatur gefeiert. Er stammt aus dem Bundesstaat Minas Gerais, aufgewachsen in einer armen Migrantenfamilie studierte er - neben Jahren der Erwerbstätigkeit in verschiedenen Berufen - Journalismus. Das Buch „Es waren viele Pferde" wurde mit dem Premio Machado Assis der brasilianischen Nationalbibliothek ausgezeichnet. In 69 Szenen werden darin Menschenleben außerhalb des Booms gezeichnet, ein Bild des Landes skizziert, das von Gewalt und Entwurzelung geprägt ist. Ruffatos Werk ist parteiisch, denen, die nichts zu sagen haben, gibt er eine Stimme, Ausgegrenzte würdigt er, Namenlose erhalten ein Gesicht.

„Brasilien - ... wie im Himmel so auf Erden" - Gottesdienst mit pfingstlerischer Gemeinde in der evangelischen Sankt Katharinenkirche, Innenstadt

Am Mittwoch, 9. Oktober 2013, um 19 Uhr, wird in der evangelischen Sankt Katharinenkirche, An der Hauptwache, Innenstadt, ein Gottesdienst gefeiert, der unter dem Titel „Brasilien - ...wie im Himmel so auf Erden" Bezug nimmt auf das Schwerpunktland der diesjährigen Frankfurter Buchmesse. Der südamerikanische Staat ist ein aufstrebendes, boomendes Land - und das nicht nur hinsichtlich Wirtschaft und Industrie. Seit vielen Jahren wächst auch der religiöse Sektor. Wo es früher fast nur die römisch-katholische Kirche gab, sind seit Jahrzehnten neue Kirchen und Gemeinschaften entstanden. Diese Kirchen, die Teil der weltweiten Pfingstbewegung sind, wachsen und irritieren Westeuropäer oft genug. Von „Nachfolger der Befreiungstheologie" bis „Sekte" reichen die Etiketten, die diesen Kirchen aufgeklebt werden. Was ist von ihnen zu halten und wer sind sie überhaupt?

Dieser Frage soll an diesem Abend nachgegangen werden. Zusammen mit einer brasilianischen pfingstlerischen Gemeinde, die Assembleia de Deus, die im Riederwald in der Evangelischen Philippusgemeinde ihren Gottesdienst feiert, und dem brasilianischen lutherischen Theologen Dr. Silfredo Dalferth wird erst ein Gottesdienst gefeiert. Anschließend gibt es eine kurze Einführung zu dieser Bewegung. Es schließen sich Möglichkeiten zu Rückfragen an.

Dieser Gottesdienst wird gestaltet von Pastor Joao Batista dos Santos Godoy, Pfarrer für Ökumene in Frankfurt, Dietmar Will und Pfarrer Dr. Silfredo Dalferth, Ökumenischer Mitarbeiter in Württemberg.

Was ist aus der lateinamerikanischen Befreiungstheologie geworden? - Vortrag in der evangelischen Alten Nikolaikirche, Römerberg

Dr. Stefan Silber, Pastoralreferent in der Diözese Würzburg, kennt und erforscht die Befreiungstheologie seit vielen Jahren - anlässlich des diesjährigen Schwerpunktthemas der Buchmesse „Brasilien", erläutert er am Donnerstag, 10. Oktober 2013, um 19.30 Uhr, in der evangelischen Alten Nikolaikirche, Römerberg, Innenstadt, das Grundanliegen und die Geschichte der Befreiungstheologie, lässt aber unter dem Titel „Was will sie – was ist aus ihr geworden?" auch an ihrer lebendigen Aktualität teilhaben.

Die Theologie der Befreiung lebt. Wer ihre Entwicklungen aufmerksam beobachtet, wird sich ihrer bleibenden Faszination nicht verschließen können. Denn diese speziell lateinamerikanische Theologie, die in der 1960er und 70er Jahren entstand, entwickelte sich unter den veränderten politischen, gesellschaftlichen und kirchlichen Bedingungen der vergangenen Jahrzehnte kontinuierlich weiter, stellte sich neuen Herausforderungen und Themen, wurde von neuen gesellschaftlichen Subjekten aufgegriffen und mit neuen Fragestellungen konfrontiert - und ist doch geblieben, was sie von Anfang an war: die theologische Reflexion über das Engagement zugunsten der Befreiung der Armen und aus der Sicht der Armen, die immer stärker auch von den Armen selbst ausgeübt wird.

Vor allem in den letzten zehn Jahren haben sich einige neue theologische Strömungen entwickelt und konsolidiert, die sich der Theologie der Befreiung zuordnen lassen und die der Theologie in Lateinamerika ein neues Gesicht geben. Neue Generationen von Theologinnen und Theologen sind bereits in der Denkweise der Theologie der Befreiung aufgewachsen und prägen sie nun auf ihre eigene Weise.

„6 x Jom Kippur" – eine Reise um die Welt - Lesung und Diskussion in der Evangelischen Kirchengemeinde Bockenheim

In der Reihe „Salon am Kirchplatz" in der Evangelischen Kirchengemeinde Bockenheim, Kirchplatz 9, ist am Freitag, 11. Oktober, um 20 Uhr, die Autorin Paula Zimerman Targownik zu Gast. Zimerman Targowniks erster Roman „6 x Jom Kippur" ist auch Ausdruck ihres Lebenslaufes, der sie rund um die Welt führte: Die 1965 Geborene wuchs in Brasilien auf, studiert hat sie an der Filmhochschule in Tel Aviv, mehrfach wurde sie als Drehbuchautorin und Regisseurin ausgezeichnet, ihr Lebensweg führte sie von New York bis in die Wüste Negev. Heute lebt sie mit ihrem Mann und drei Töchtern in München. In ihrem Buch erzählt sie die Geschichte der Brasilianerin Jamile, einer jüdischen Frau und Tochter libanesischer Einwanderer in São Paulo. Mit viel Phantasie setzt sie sich mit ihrer Familie und ihrer Religion auseinander, deren Regeln sie zwar lebt, die sie aber oft nicht versteht. Sechsmal wird Jom Kippur, der Tag der Versöhnung und höchster Feiertag im jüdischen Kalender, in ihrer Erinnerung lebendig. Die unterschiedliche Bedeutung, die Jom Kippur für sie hat, verknüpft sich jeweils mit einem Abschnitt ihres Lebens. Leidenschaftlich erforscht sie die Erklärungen und Bedingungen ihrer Existenz. An den kleinen und großen Konflikten des Alltags entzünden sich kaleidoskopartig die großen Fragen des Lebens.

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Brasiliens - Stefan Zweig Auftaktthema bei der Mittagsakademie Lunch & Lecture in der evangelischen Matthäuskirche, Innenstadt

Bei der Mittagsakademie „Lunch & Lecture" zum Schwerpunktland der Frankfurter Buchmesse Brasilien am Mittwoch, 9. Oktober, um 12 Uhr, wird das Buch Stefan Zweigs „Brasilien. Ein Land der Zukunft" aufgegriffen. Professor Dr. Erhard S. Gerstenberger, aus Marburg, im ersten Semester 2013 Visiting Professor an der PUCPR in Curitiba wird in der evangelischen Matthäuskirche, Friedrich-Ebert-Anlage 33, Innenstadt, über das Werk des Schriftstellers, der vor den Nationalsozialisten nach Südamerika geflohen war, berichten. Marcelo de Moraes Jardim, Generalkonsul der Förderativen Republik Brasilien, spricht bei dieser Auftaktveranstaltung von Lunch & Lecture zur Buchmesse ein Grußwort.

Zweig war begeistert von dem Land, in dem er Zuflucht gefunden hat. Er lebte - befreit von rassistischer Verfolgung - in Petropolis, nördlich von Rio de Janeiro. Seine Begeisterung für Brasilien spiegelt auch dieses Buch wider. Wie stellt sich Zweigs Zukunftsansage heute dar, im Licht des wirtschaftlichen Aufschwungs, der Brasilien zum „Schwellenland" gemacht hat, aber auch angesichts der Demonstrationen gegen Misswirtschaft und Korruption? Um Fragen wie diese geht es an diesem Tag unweit des Messegeländes.

Die Mittagsakademie während der Buchmesse ist eine Veranstaltungsreihe der Evangelischen Akademie Frankfurt in Kooperation mit der Evangelischen Hoffnungsgemeinde und dem Pfarramt für Stadtkirchenarbeit an Sankt Katharinen.

Kostenbeitrag jeweils 10 Euro, Anmeldung bei der Evangelischen Akademie Frankfurt unter der Telefonnummer 069 174152616.

„Street-Art Brazil" im Vergleich - Ausstellungskuratorin berichtet bei „Lunch & Lecture" in der evangelischen Matthäuskirche, Innenstadt

Carolin Köchling, Kuratorin der Ausstellung „Street-Art Brazil" der Schirn ist am Donnerstag, 10. Oktober, um 12 Uhr, bei der Reihe „Lunch & Lecture" zum Schwerpunktthema der diesjährigen Buchmesse „Brasilien" zu Gast. In der evangelischen Matthäuskirche, Friedrich-Ebert-Anlage 33, Innenstadt, stellt sie die lebendige Graffitikunst-Szene des südamerikanischen Landes vor. Wodurch zeichnen sich Motive und Inhalte dieser Kunst aus, was unterscheidet sie von US-amerikanischen oder auch europäischen Graffitikulturen? Diesen Fragen widmet sich auch vom 5. September bis zum 27. Oktober die von der Schirn initiierte Ausstellung im öffentlichen Raum Frankfurts. Zahlreiche brasilianische Künstler sind eingeladen, unterschiedliche Orte, unter anderem die Fassade der Matthäuskirche, zu gestalten.

Brasilien wacht auf - Ehemaliger Sozialattaché zu Gast mit Informationen und Musik bei Lunch & Lecture in Sankt Katharinen, Innenstadt

Unter dem Titel „Brasilien wacht auf!" wird Manuel Campos, ehemaliger Sozialattaché an der deutschen Botschaft in Brasilia, am Freitag, 11. Oktober, 12 Uhr, in der evangelischen Sankt Katharinenkirche, An der Hauptwache, Innenstadt, im Rahmen der Reihe „Lunch & Lecture" der Evangelischen Akademie Frankfurt über die aktuelle soziale Lage in Brasilien sprechen. Seit zehn Jahren befindet sich das Land, das in diesem Jahr Schwerpunktthema der Frankfurter Buchmesse ist, politisch, sozial und wirtschaftlich im Umbruch. Mit dem Amtsantritt von Präsident Luiz Inacio Lula 2003 waren Veränderungen durch alle Bevölkerungsschichten verbunden. Lula war ehemaliger Gewerkschaftsführer und Gründer der Arbeiterpartei. Die Proteste gegen Korruption und Vetternwirtschaft in den letzten Wochen im Zusammenhang mit der kommenden Fußball-WM sind nur ein Zeichen dieses gewaltigen Veränderungsprozesses.Campos wird über diese Entwicklung berichten und zudem das anschließende Tischgespräch musikalisch begleiten.

Normal verrückt im Karneval -Brasilianischer Kurzfilm bei „Lunch & Lecture" zur Buchmesse in der evangelischen Sankt Katharinenkirche, Innenstadt

Der Kurzfilm „Suburban Madness"von Philipp Figueroa wird am Samstag, 12. Oktober 2013, um 12 Uhr, im Rahmen der Reihe „Lunch & Lecture" zum diesjährigen Schwerpunktthema der Frankfurter Buchmesse „Brasilien" in der evangelischen Sankt Katharinenkirche, An der Hauptwache, gezeigt. Das Werk des in London lebenden Dokumentarfilmers handelt von den Vorbereitungen der Patientinnen und Patienten einer psychiatrischen Klinik am Rande von Rio de Janeiro auf den jährlichen Karneval.

Auf eindrucksvolle Weise erzählt der Kurzfilm von der integrativen Kraft des Karnevals, von den tänzerischen und musikalischen Begabungen der psychisch Kranken und vom Versuch ihrer gesellschaftlichen Integration. Die „Verrückten" gehören gerade im Karneval zu den Normalen und erfahren so statt Ausgrenzung gesellschaftliche Anerkennung.

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