Taufe keineswegs Freifahrschein zum Bleiben

20.04.2017

Aufnahme in die Kirche, Bauten und Zusammengehen mit Offenbach Themen der Tagung der evangelischen Stadtsynode und Regionalversammlung

Der Staat solle die Taufe als verbindlich akzeptieren und „Glaubenstests“ im Anerkennungsverfahren „bei Asylsuchenden einstellen“, lautet ein zentraler Punkt einer Erklärung, die das evangelische Kirchenparlament Frankfurts bei seiner gestrigen Sitzung verabschiedet hat. Taufe im allgemeinen und im besonderen hinsichtlich von Geflüchteten war das Schwerpunktthema der Sitzung der Delegierten von Synode und Regionalversammlung im Dominikanerkloster. Weitere Themen auf der Tagesordnung waren die Bauprioritätenliste 2018 und ein Zwischenstandsbericht zum Zusammengehen der evangelischen Stadtdekanate Frankfurt und Offenbach Anfang 2019.

Taufe braucht Vorbereitung

Pfarrerin Anja Harzke, zuständig für die Koordination der Flüchtlingsarbeit der Gemeinden im Evangelischen Stadtdekanat, stellte eingangs Zahlen und Fakten vor. In 17 Frankfurter Gemeinden sind in den vergangenen Jahren Menschen mit muslimischem Hintergrund getauft worden, der Schwerpunkt lag im Jahr 2016, insgesamt wurden 73 Menschen getauft, darunter vier Kinder. 71 der Getauften stammten aus dem Iran, zwei aus Afghanistan. Der Großteil „bleibt den Gemeinden eng verbunden, kommt regelmäßig zum Gottesdienst und hilft aktiv mit“, lautet eine Feststellung von Harzke. Aufgrund ihrer Erfahrungen trat sie dem Verdacht entgegen, es gehe um das Bleiberecht. Sie erlebe auf Seiten des Staates:  „Taufe ist kein Freifahrtschein, das man problemlos in Deutschland bleiben kann“, so die Koordinatorin. Bewusst werde nicht in Flüchtlingsunterkünften missioniert, äußerte Harzke, das passe nicht zu einer „Kirche der Freiheit“.

Von verschiedenen Seiten wurde in der Versammlung betont, dass die Vorbereitung auf die Taufe wichtig sei. In Gesprächen müssten die Interessierten Gelegenheit bekommen, ihrem Wunsch nach Zugehörigkeit zur evangelischen Kirche ein Fundament zu geben. Über Pfarrerin Harzke oder auch über das Zentrum Oekumene können Fördergelder für Dolmetscher angefragt und bezogen werden. In der Evangelischen Nord-Ost-Gemeinde im Ostend sind schon wiederholt Glaubenskurse angeboten worden, 27 Personen wurden in der Gemeinde getauft. Pfarrer Andreas Hannemann berichtete, dass in den Kursen Dreisprachigkeit die Regel sei. Neben der Vermittlung der Eckpunkte des christlichen Glaubens gehe es auch um eine Auseinandersetzung mit kulturellen Fragen, so habe man beispielsweise in einem Glaubenskurs unlängst länger über den Sinn von Karneval diskutiert. Unerlässlich sei auch, so Hannemann, dass die Interessierten Ansprechpartner und –partnerinnen in der Gemeinde finden, die sich um sie kümmern.

Prodekanin Dr. Ursula Schoen stellte die allgemeine Erklärung „Die christliche Taufe – Schatz und Chance“ vor. Darin steht unter anderem: „In der Taufpraxis beobachten wir eine wachsende Vielfalt der Lebensalter und der Lebenssituationen.“  Frankfurt wird als Stadt des Transits und der Migration beschrieben, Gemeinden böten da „Beheimatung“. In der Erklärung, die mit großer Mehrheit verabschiedet wurde, heißt es unter anderem: „Wir nehmen die Suche nach neuer geistlicher und sozialer Heimat ernst und integrieren die Suchenden aktiv in den Gemeinden.“ Es gehe um verschiedene Formen einer zeitgemäßen Einführung in den christlichen Glauben, wird festgehalten. Menschen mit anderen religiösen Hintergründen werde bei ihren Taufanfragen mit Respekt und Wertschätzung für die jeweilige Religion begegnet. Die evangelische Kirche trete für die freie Wahl und öffentliche Ausübung der Religion ein.

Stadtdekan: Kirchensteuern versickern nicht

Der evangelische Stadtdekan Dr. Achim Knecht hob in seinem Bericht zum Eingang der Sitzung hervor, welch vielfältiges Programm die Gemeinden im Jahr des Reformationsjubiläum bieten. Alles in allem stoße das Reformationsjubiläum in der Stadt auf eine sehr positive Resonanz.  Kritisch äußerte er sich über die „Polemik“ eines unlängst in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung veröffentlichten Artikels. Dabei war der Eindruck entstanden, dass nur ein Bruchteil der Kirchensteuereinnahmen in den Gemeinden lande. Knecht erinnerte daran, dass auch 2017 annähernd Dreiviertel des 595 Millionen Euro umfassenden Haushalts der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau der Arbeit von Gemeinden und Dekanaten zugutekomme. Er wies darauf hin, dass in Frankfurt zum Beispiel 18 Pfarr- und Gemeindestellen in der Klinikseelsorge aus Kirchensteuern finanziert werden, die Mittel fließen zudem in Beratungsstellen, Bildungs- und Jugendarbeit.

Seine Rede nutzte der evangelische Stadtdekan auch dazu, über die Region hinauszuschauen: Zum einen griff er noch mal das Thema der Pressekonferenz der Evangelischen Kirche Frankfurt vom Gründonnerstag auf, den Protest gegen Abschiebungen nach Afghanistan, zum andern gedachte er der blutigen Anschläge auf Kopten an Palmsonntag in Ägypten. „Wir fühlen uns mit unseren Glaubensgeschwistern in dieser schweren Zeit verbunden. Wir hoffen und beten mit ihnen für ein friedliches Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Religion und Kultur, in Ägypten, in Deutschland und überall in der Welt.“

Evangelisches Stadtdekanat Frankfurt und Offenbach

An anderer Stelle gab Knecht einen kurzen Abriss des aktuellen Standes der Gespräche über das Zusammengehen der evangelischen Kirchen in Frankfurt und Offenbach 2019. Seit Mitte 2016 tage alle vier Wochen eine Steuerungsgruppe unter seiner Leitung -  die Stellvertretung liegt bei der Offenbacher Dekanin Eva Reiß und dem Vorsitzenden des Offenbacher Kirchengemeindeverbandes, Michael Brück. Zu sieben Arbeitsfeldern wie Bau und Liegenschaften, Kindertagesstätten, Finanzen, treffen sich Arbeitsgruppen. Alle Stellen in den beiden Dekanaten und Verbänden sollen beim Zusammengehen erhalten bleiben.

2018: 10,244 Millionen für Baumaßnahmen

Die Leiterin der Abteilung Bau, Liegenschaften und Hausverwaltung des Evangelischen Regionalverbandes, Friederike Rahn-Steinacker, stellte die Bauprioritätenliste 2018 vor. Vorgesehen ist ein Budget in der Höhe von 10,244 Millionen. Dies bedeute sozusagen einen „historischen Tiefstand“, sagte Rahn-Steinacker, in diesem Jahr sind noch 14.171.500 Euro veranschlagt, in den Jahren zuvor, in denen zahlreiche Kindereinrichtungen gebaut wurden, lag die Summe teilweise noch deutlich höher. 2018 gehen 42 Prozent, rund 4, 3 Millionen Euro, an Maßnahmen in Kirchen und Gemeindehäusern, 21 Prozent - 2,123 Millionen Euro - sind für Bauvorhaben in Kindertagesstätten und Krabbelstuben veranschlagt, 19 Prozent, 1.952 Millionen Euro, sollen an übergemeindliche Einrichtungen, und für Vorhaben in Wohn- Geschäftshäuser verwandt werden.

Erklärung Taufe allgemein

Erklärung Taufe Geflüchtete

 

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