„Wie gut, dass es Euch gibt!“

02.11.2017

Diakonie Frankfurt bietet kostenfreien Einkaufsservice für ältere und mobilitätseingeschränkte Frankfurter

Foto: Rolf Oeser

Ein mattsilbriges Hufeisen hängt an der Wohnungstür von Marianne Onderka. In ihrer Zwei-Zimmer-Wohnung im Sankt Katharinen-Wohnstift läuft der Fernseher. Die 79-Jährige, die einst ein spanisches Restaurant führte und sich in ihrer Kirchengemeinde engagierte, ist „viel allein im Stift“. Einmal in der Woche fährt sie mit dem Taxi und einer Begleiterin vom Einkaufsservice 60+ Sachen besorgen, heute geht es mit Diana Vukmirovic ins Nordwestzentrum. „Auch wenn es mir sehr schwerfällt, gehe ich gerne mit, damit ich rauskomme“, sagt Onderka. Ihre Augen blitzen trotz Erkältung und ihr Lachen lädt ein, mitzulachen.

Im Eiskaffee geht sie nochmal den Einkaufszettel durch: Den weiten Weg zum Supermarkt übernimmt Vukmirovic, sie kauft Tee und Dörrfleisch, Eier, Joghurt und Fleischwurst, Obst und Gemüse holt Onderka selbst ein. Wenn sie zwischendurch müde wird, setzt sie sich auf ihren Rollator: „Die Lauferei strengt mich an.“ Einkaufen mit Rollator oder im Rollstuhl fällt vielen schwer. Der kostenfreie Einkaufsservice 60+ der Diakonie Frankfurt unterstützt daher seit mehr als zehn Jahren Ältere und Mobilitätseingeschränkte in Frankfurt am Main. 33 Frauen und Männer stehen bereit, um sie in Geschäfte zu begleiten, zum Friseur, zur Fußpflege und zur Ärztin zu bringen oder mit ihnen Karten zu spielen und spazieren zu gehen. Manchmal kaufen sie auch alleine ein und steuern, ausgestattet mit Geld und Einkaufszettel, „fünf verschiedene Läden an, gehen noch in die Apotheke und holen unterwegs schnell das Rezept beim Arzt ab“, sagt Karin Jakob-Kreile, die den Einkaufsservice 60+ koordiniert. Die Einkäufer benennt das Jobcenter, sie erhalten eine „Mehraufwandsentschädigung“ von 1,50 Euro pro Stunde. Und sie bekommen etwas, das mit Geld nicht zu bezahlen ist: „Sie merken, dass sie etwas können, sie werden wertgeschätzt und ihr Selbstwertgefühl steigt“, erklärt Jakob-Kreile.

Die älteren Frankfurter, die den kostenfreien Einkaufsservice nutzen, sagen oft am Telefon: „Wie gut, dass es Euch gibt, ich wüsste gar nicht, was ich sonst machen sollte.“ Der Einkaufsservice 60+ ist unabhängig vom Einkommen für alle kostenfrei und kann, wenn genügend Kapazitäten da sind, auch mehrmals pro Woche bestellt werden. Diana Vukmirovic kauft nicht nur ein, sie begleitet ihre Kundinnen auch zum Arzt. Bald wird sie mit Marianne Onderka zur Sirtaki-Party im Wohnstift gehen. „Ich finde die Arbeit toll und komme sehr gut mit älteren Menschen aus“, sagt die 48-Jährige lächelnd. „Am meisten habe ich Angst vor dem Pflegeheim“, sagt Marianne Onderka. Mit Unterstützung des Einkaufsservice 60+ will sie noch möglichst lange in ihrer Erdgeschoss-Wohnung bleiben, die sie vor zwei Jahren bezogen hat. Und sie hält sich fit: „Ich laufe bewusst selbst die Treppe rauf und runter.“ Als Diana Vukmirovic sich verabschiedet und die Wohnungstür zuzieht, schaukelt draußen leise das Hufeisen.

Susanne Schmidt-Lüer

Info

Der Einkaufsservice 60+ ist einer von mehreren Maßnahmen der Einrichtung „Berufliche Orientierung und Dienstleistungen“ der Diakonie Frankfurt. Zurzeit gibt es 90 Maßnahmeteilnehmer und –teilnehmerinnen in vier Maßnahmen: ModeKreativWerkstatt, Ambulante Alltagsbegleitung, Stationäre Alltagsbegleitung sowie im WESER5 Diakoniezentrum.

Der kostenfreie Einkaufsservice 60+ der Diakonie Frankfurt ist unter 069 2475149-6902 montags bis freitags von 9 bis 16 Uhr zu erreichen. Termine sollten zwei bis drei Tage vorher telefonisch abgesprochen werden.

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