Ältere Menschen zu schikanieren, war eine besondere Freude

09.11.2017 (18:30)

Der 9. November 1938 war der Beginn der von den Nationalsozialisten inszenierten Novemberpogrome gegen die jüdische Bevölkerung in Deutschland. Mit den gewaltsamen Ausschreitungen begann der systematische Abtransport in die Vernichtungslager. Die evangelischen und katholischen Gemeinden in Sachsenhausen laden am Donnerstag, 9. November 2017, um 18.30 Uhr, zu einem Gedenken vor dem Hauptportal des Südbahnhofs, Diesterwegplatz, Sachsenhausen, ein: Einige Minuten soll dort an die mehr als 3000 jüdischen Männer erinnert werden, die nach den Pogromen vom Südbahnhof aus in die Konzentrationslager Buchenwald und Dachau deportiert wurden. Eine Gedenktafel an der Hauptfassade des Südbahnhofs erinnert an ihr Schicksal.

Am 10. November 1938 und an den folgenden Tagen wurden die Verhafteten in die Frankfurter Festhalle gebracht und auf Lastwagen zum Südbahnhof gefahren, unter ihnen der 20-jährige Avraham Avisar. Er konnte 1939 nach Palästina emigrieren. Zwei Schwestern und ein Bruder wurden von den Nazis ermordet.

Die Dreikönigsgemeinde zitiert anlässlich des Gedenkens aus seiner Schilderung des Geschehens in der Festhalle am10. November 1938:

„Die Festhalle war voller Juden, ältere Leute, angesehene Leute, Leute aus allen möglichen gesellschaftlichen Schichten, Gesunde und Kranke, Alte und Junge, Gebrechliche und Bewegliche. Sie schrieben auf, wer man war, und jeder musste sagen: Jude mit Namen soundso. Es war beleidigend, beleidigend in einer alles beleidigenden Form. Wenn irgendjemand dem Aufseher nicht gefiel, dann jagte er denjenigen herum oder befahl ihm, sich hinzulegen und wieder aufzustehen. Gerade bei älteren Menschen hatten sie eine ganz besondere Freude daran.“ (Gottfried Kößler et al. (Hg.): „…daß wir nicht erwünscht waren. Novemberpogrom 1938 in Frankfurt am Main. Berichte und Dokumente “. Frankfurt: Dipa Verlag 1993, S. 104)

Die etwa 20-minütige Andacht wird von der Gedenkgruppe der Dreikönigsgemeinde gestaltet, die sich für die Verlegung von Stolpersteinen für die verfolgten und ermordeten Christen jüdischer Herkunft in der Gemeinde einsetzt.

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