80 Jahre danach: Ein Buch blickt auf die evangelische Kirche in Frankfurt 1933 bis 1945

31.01.2013 (18:00)

Vor 80 Jahren, am 30. Januar 1933, wurde Adolf Hitler zum Reichskanzler gewählt. Das war der erste Schritt zum NS-Staat, der auch auf die evangelische Kirche massiv Einfluss nahm. Dazu passt die im Februar 2013 im Verlag der Hessischen Kirchengeschichtlichen Vereinigung, Darmstadt, erscheinende  Veröffentlichung von Jürgen Telschow „Ringen um den rechten Weg. Die evangelische Kirche in Frankfurt 1933 bis 1945“. Dieses Buch wird im Rahmen des Projektes der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau „Wissenschaftliche Auswertung der Dokumentation zum Kirchenkampf in Hessen und Nassau“ publiziert. Hierbei geht es darum, den so genannten Kirchenkampf  neu zu erforschen und objektiver zu bewerten.
Der Verfasser berichtet in seinem Werk, wie die Deutschen Christen in der Kirche die Macht übernommen haben, welche Theologien vertreten wurden, was in einzelnen Frankfurter Gemeinden geschah oder wie evangelische Christen angesichts der Verfolgungsmaßnahmen gegenüber den jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern verhalten haben. Bei den Geistlichen wird deutlich, wo sie kirchenpolitisch gestanden haben: bei den Deutschen Christen, der Bekennenden Kirche, der vermittelnden Gruppe – oder auch wechselnd. An exemplarischen Beispielen wird in dem Buch ausführlicher über Denken und Handeln einzelner Personen berichtet. Die Veranstaltungsreihe des Evangelischen Regionalverbandes, des Evangelisch-lutherischen Predigerministeriums und des Vereins für Frankfurter Kirchengeschichte greift das auf.

 

Die Termine im einzelnen:

Donnerstag, 31. Januar, 18 Uhr in der Heiliggeistkirche am Dominikanerkloster, Kurt-Schumacher-Straße 23, Innenstadt
Vorstellung des Buches von Jürgen Telschow „Ringen um den rechten Weg. Die evangelische Kirche in Frankfurt zwischen 1933 und 1945“
Das Programm:
Begrüßung : Pfarrerin Esther Gebhardt, Vorstandsvorsitzende des Evangelischen Regionalverbandes Frankfurt   am Main
Das Forschungsprojekt „Wissenschaftliche Auswertung der Kirchenkampf-Dokumentation“ der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (OKR i. R. Dr. Klaus Grunwald)
Vorstellung des Buches von Jürgen Telschow „Ringen um den rechten Weg. Die evangelische Kirche in Frankfurt zwischen 1933 und 1945“ (Dr. Ulrich Oelschläger, Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau)
Pfarrer i. R. Joachim Proescholdt befragt den Autor
Empfang
Donnerstag, 7. Februar 2013, 18 Uhr, Frankfurter Diakonissenhaus, Cronstettenstraße 57-61, Nordend
Podiumsgespräch: Frankfurts  evangelische Krankenhäuser und der Arierparagraf
Die evangelischen Krankenhäuser in Frankfurt reagierten unterschiedlich auf den „Arierparagrafen“. Der Träger des Privatkrankenhauses Sachsenhausen, der Deutsche Gemeinschaftsdiakonieverband in Marburg, stand den Nationalsozialisten nahe und gab dem Druck anstandslos nach. Der Bockenheimer Diakonissenverein, Träger des Sankt Markuskrankenhauses, stellte sich vor seine Ärzte - aber ohne Erfolg. Der Vorstand des Diakonissenhauses, das Träger des Diakonissenkrankenhauses war, beschloss, den Arierparagrafen nicht gelten zu lassen und konnte das durchhalten. Über dieses unterschiedlichen Verhalten und seine Auswirkungen soll mit Zeitzeuginnen gesprochen werden.
Gesprächsteilnehmerinnen und -teilnehmer:
Pfarrerin i. R. Marlies Flesch-Thebesius (Privatkrankenhaus Sachsenhausen)
Schwester Hanna Lachenmann (Frankfurter Diakonissenhaus)
Oberin i. R. Sr. Anneliese Oehlert (Das Schicksal von Pfarrer Gustav Oehlert)
OKR. i. R. Jürgen Telschow (St. Markuskrankenhaus)
Pfarrer Dr. Hermann Düringer, Moderation
Donnerstag, 21. Februar 2013, 18 Uhr, Philipp-Jakob-Spener-Haus, Dominikanergasse 5, Innenstadt
Das Bündnis von Nationalprotestantismus und Nationalsozialismus - Vortrag von Professor Dr. Günter Brakelmann
Professor Günter Brakelmann, der an der Ruhr-Universität, Bochum, Christliche Gesellschaftslehre lehrte, hat herausgearbeitet, wie sehr Protestantismus und Nationalsozialismus antiaufklärerische, antiliberale und antidemokratische Haltungen teilten. Damit leistete er einen wichtigen Beitrag zur Beantwortung der Frage, warum die evangelische Christen in Deutschland so stark mit dem NS-Staat sympathisierten. Zum Abschluss der Veranstaltungsreihe befasst sich der renommierte Kirchenhistoriker und Experte für Widerstand gegen das NS-Regime mit dem „Bündnis von Nationalprotestantismus und Nationalsozialismus“.

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